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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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Die dritte große Stimme, die für Shakespeare in Deutschland erklang, ge-hörte unserem lieben theucrn Herder, der sich mit unbedingter Begeisterungfür ihn erklärte. Auch Goethe huldigte ihm mit großem Trompetcntusch;kurz, es war eine glänzende Reihe von Königen, welche, einer nach dem an-dern, ihre Stimme in die Urne warfen, und den William Shakespeare zumKaiser der Literatur erwählten.

Dieser Kaiser saß schon fest auf seinem Throne, als auch der Ritter Au-gust Wilhelm von Schlegel und sein Schildknappe, der Hofrath Ludwig Tieck,zum Handküsse gelangten, und aller Welt versicherten, jetzt erst sei das Reichauf immer gesichert, das tausendjährige Reich des großen Williams.

Es wäre Ungerechtigkeit, wenn ich Herrn A. W. Schlegel die Verdiensteabsprechen wollte, die er durch seine Ncbersctzung der Shakespcare'schen Dra-men und durch seine Vorlesungen über dieselben erworben hat. Aber ehrlichgestanden, diesen letzteren fehlt allzusehr der philosophische Boden z sie schweifenallzu oberflächlich in einem frivolen Dilettantismus umher, und einige häß-liche Hintergedanken treten allzu sichtbar hervor, als daß ich darüber ein un-bedingtes Lob aussprechen durfte. Des Herrn A. W. Schlcgcl's Begeiste-rung ist immer ein künstliches, ein absichtliches Hineinlügen in einen Rauschohne Trunkenheit, und bei ihm, wie bei der übrigen romantischen Schule,sollte die Apotheose Shakespeare's indirekt zur Herabwürdigung Schiller'sdienen. Die Schlegel'sche Uebersctzung ist gewiß bis jetzt die gelungenste,und entspricht den Anforderungen, die man an eine metrische Uchertragungmachen kann. Die weibliche Natur seines Talents kommt hier dem Ueber-setzer gar vortrefflich zu statten, und in semer charakterlosen Kunstfertigkeitkann er sich dem fremden Geiste ganz liebevoll und treu anschmiegen.

Indessen, ich gestehe es, trotz dieser Tugenden, möchte ich zuweilen der altenEschenburg'schen Uebersetzung, die ganz in Prosa abgefaßt ist, vor der Schlc-gel'schen den Vorzug ertheilen, und zwar aus folgenden Gründen:

Die Sprache des Shakespeare ist nicht demselben cigenthümlich, sondern sieist ihm von seinen Vorgängern und Zeitgenossen überliefert; sie ist die her-kömmliche Theatersprache, deren sich damals der dramatische Dichter bedienenmußte, er mochte sie nun seinem Genius passend finden oder nicht. Manbraucht nur flüchtig in Dodsleys (lollsotion ok <M pla^s zu blättern, undman bemerkt, daß in allen Tragödien und Lustspielen damaliger Zeit dieselbeSprechart herrscht, derselbe Euphuismus, dieselbe Uebertreibung der Zierlich-keit, geschraubte Wortbildung, dieselben Conzetti, Wortspiele, Gcistesschnör-keleien, die wir ebenfalls bei Shakespeare finden, und die von beschränktenKöpfen blindlings bewundert, aber von dem einsichtsvollen Leser, wo nicht ge-tadelt, doch gewiß nur als eine Acußerlichkeit, als eine Zcitbedingung, dienothwendiger Weise zu erfüllen war, entschuldigt werden. Nur in den