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sind wie jene holden Lichter, die, am Sommerabend, aus Rasen und Landenso prächtig hervorglänzen, daß man glauben sollte, sie seien die Sterne derErde. .. daß man glauben sollte, sie seien Diamanten und Smaragde, kost-bares Geschmeide, welches die Königskinder, die im Garten spielten, an denBüschen ausgehängt und dort vergaßen ... daß man glauben sollte, sie seienglühende Sonnentropfcn, welche sich im hohen Grase verloren haben, undjetzt in der kühlen Nacht sich erquicken und freudeblitzcn, bis der Morgenkommt und das rothe Flammengcstirn sie wieder zu sich heraufsaugt... Ach!suche nicht am Tage die Spur jener Sterne, Edelsteine und Sonnentropfcn!Statt ihrer siehst du ein armes, mißfarbiges Würmchen, das am Wege kläg-lich dahinkriccht, dessen Anblick dich anwidert, und das dein Fuß dennoch nichtzertreten will, aus sonderbarem Mitleid!
Was war das Privatleben von Shakespeare? Trotz aller Forschungen hatman fast gar nichts davon ermitteln können, und das ist ein Gluck. Nurallerlei unbewiesene läppische Sagen haben sich über die Jugend und das Lebendes Dichters fortgepflanzt. Da soll er bei seinem Vater, welcher Metzgergewesen, selber die Ochsen abgeschlachtet haben . .. Diese letztem waren viel-leicht die Ahnen jener englischen Commcntatoren, die wahrscheinlich ausNachgroll ihm überall Unwissenheit und Kunstfehler nachwiesen. Dann soller Wollhändler gewesen sein und schlechte Geschäfte gemacht haben .. . ArmerSchelm! er meinte, wenn er Wollhändler würde, könne er endlich in derWolle sitzen. Ich glaube nichts von der ganzen Geschichte; viel Geschreiund wenig Wolle. Geneigter bin ich zu glauben, daß unser Dichter wirklichWilddieb geworden, und wegen eines Hirschkalbs in gerichtliche Bedrängnißgerietst; weshalb ich ihn aber dennoch nicht ganz verdamme. „Auch Ehrlichhat einmal ein Kalb gestohlen," sagt ein deutsches Sprichwort. Hierauf soller nach London entflohen sein und dort, für ein Trinkgeld, die Pferde dergroßen Herrn vor der Thüre des Theaters beaufsichtigt haben ... So unge-fähr lauten die Fabeln, die in der Literaturgeschichte ein altes Weib demandern nachklatscht.
Authentische Urkunden über die-Lebensverhältnisse Shakespeare's sind seineSonette, die ich jedoch nicht besprechen möchte, und die eben, ob der tiefenmenschlichen Misere, die sich darin offenbart, zu obigen Betrachtungen überdas Privatleben der Poeten mich verleiteten.
Der Mangel an bestimmteren Nachrichten über Shakespeare's Leben istleicht erklärbar, wenn man die politischen und religiösen Stürme bedenkt, diebald nach seinem Tode ausbrachen, für einige Zeit eine vollständige Purita-nerhcrrschaft hervorriefen, auch später noch unerquicklich nachwirkten, und diegoldene Elisabethperiodc der englischen Literatur nicht blos vernichteten, son-dern auch in gänzliche Vergessenheit brachten. Als man zu Anfang des