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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Schwertergeklirr, und ein Lachen und Fluchen erschallt. . . Ganz wie zuDrurilane, wo ich die Shakcspeare'schen Geschichtsdramen so oft tragiren sah,und wo Kean mir so gewaltig die Seele bewegte, wenn er verzweifelnd überdie Bühne rann:

"L. Korse, a Korse, mx kingckom kor u Korso!"

Ich müßte den ganzen (Zuicke vk konSou abschreiben, wenn ich die Orteanführen wollte, wo mir dort Shakespeare in Erinnerung gebracht wurde.Am bedeutungsvollsten geschah dieses im Parlamente, nicht sowohl deßhalb,weil das Local desselben jenes Westminster-Hall ist, wovon in den Shake-speare'schcn Dramen so oft die Rede, sondern weil, während ich den dortigenDebatten beiwohnte, einige mal von Shakespeare selber gesprochen wurde, undzwar wurde» seine Verse, nicht ihrer poetischen, sondern ihrer historischen Be-deutung wegen, citirt. Zu meiner Verwunderung merkte ich, daß Shake-speare in England nicht blos als Dichter gefeiert, sondern auch als Geschichts-schreiber von den höchsten Staatsbehörden, von dem Parlamente, anerkanntwird.

Dies führt mich auf die Bemerkung, daß es ungerecht sei, wenn man beiden geschichtlichen Dramen Shakespcare's die Ansprüche machen will, die nurein Dramatiker, dem blos die Poesie und ihre künstlerische Einkleidung derhöchste Zweck ist, befriedigen kann. Die Aufgabe Shakespeares war nicht blosdie Poesie, sondern auch die Geschichte; er konnte die gegebenen Stoffe nichtwillkürlich modeln, er konnte nicht die Ereignisse und Charaktere nach Launegestalten; und eben so wenig, wie Einheit der Zeit und des Ortes, konnte erEinheit des Interesse für eine einzige Person oder für eine einzige Thatsachebeobachten. Dennoch in diesen Geschichtsdramen strömt die Poesie reichlicherund gewaltiger und süßer als in den Tragödien jener Dichter, die ihre Fabelnentweder selbst erfinden oder nach Gutdünken umarbeiten, das strengste Eben-maß der Form erzielen, und in der eigentlichen Kunst, namentlich aber in demeuokawement des sobnes, den armen Shakespeare übertreffen.

Ja, das ist es, der große Britte ist nicht blos Dichter, sondern auch Histo-riker; er handhabt nicht blos Mclpomenes Dolch, sondern auch Clios nochschärferen Griffel. In dieser Beziehung gleicht er den frühesten Geschicht-schreibern, die ebenfalls keinen Unterschied wußten zwischen Poesie und Historie,und nicht blos eine Nomenklatur des Geschehenen, ein stäubiges Herbariumder Ereignisse, lieferten, sondern die Wahrheit verklärten durch Gesang, undim Gesänge nur die Stimme der Wahrheit tönen ließen. Die sogenannteObjektivität, wovon heut so viel die Rede, ist nichts als eine trockene Lüge; esist nicht möglich, die Vergangenheit zu schildern, ohne ihr die Färbung unserereigenen Gefühle zu verleihen. Ja, da der sogenannte objective Geschichtschrei-

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