Druckschrift 
5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

Helden, wohlgeharnischt, aufs hohe Pferd packen, wie einst die Spanier ihrenCid, und solchermaßen gegen die Ungläubigen, gegen die Verächter derschwäbischen Schule, losrennen lassen!

Das fehlte mir noch, daß ich auch im Gebiete der Kunst mit Todten zukämpfen hätte! Leider muß ich es oft genug in anderen Gebieten, und ichversichere euch, bei allen Schmerzen meiner Seele! solcher Kampf ist derfatalste und verdrießlichste. Da ist keine glühende Ungeduld, die da hetzt Hiebauf Hieb, bis die Kämpfer wie trunken hinsinken und verbluten. Ach, dieTobten ermüden uns mehr als sie uns verwunden und der Streit verwandeltsich am Ende in eine fechtende Langeweile. Kennst du die Geschichte von demjungen Ritter, der in den Zauberwald zog? Sein Haar war goldig, aufseinem Helm wehten die kecken Federn, unter dem Gitter des Visirs glühtendie rothen Wangen, und unter dem blanken Harnisch pochte der frischesteMuth. In dem Walde aber flüsterten die Winde sehr sonderbar. Gar un-heimlich schüttelten sich die Bäume, die manchmal häßlich verwachsen, anmenschliche Mißbildungen erinnerten. Aus dem Laubwerk guckte hie und daein gespenstisch weißer Vogel, der fast verhöhnend kicherte und lachte. AllerleiFabclgethier huschte schattenhaft durch die Büsche. Mitunter freilich zwitscherteauch mancher harmlose Zeisig und nickte aus den breitblättrigen Schling-pflanzen manch stille schöne Blume. Der junge Fant aber, immer weitervordringend, rief endlich mit Ucbertrotz: wann erscheint denn der Kämpe, dermich besiegen kann? Da kam, nicht eben rüstig, aber doch nicht allzuschlot-tcrig, herangezogen ein langer, magerer Ritter mit geschlossenem Visir, undstellte sich zum Kampfe. Sein Hclmbusch war geknickt, sein Harnisch wareher verwittert als schlecht, sein Schwert war schartig, aber vom besten Stahl,und sein Arm war stark. Ich weiß nicht, wie lange die beiden mit einanderfochten, doch mag es wohl geraume Zeit gedauert haben, denn die Blätterfielen unterdessen von den Bäumen, und diese standen kahl und frierend, unddann knospeten sie wieder aufs neue und grünten im Sonnenschein, und sowechselten die Jahrzeiten ohne daß sie es merkten, die beiden Kämpfer, diebeständig auf einander loshiebcn, anfangs unbarmherzig wild, später minderheftig, dann sogar etwas phlegmatisch, bis sie endlich ganz und gar dieSchwerter sinken ließen, und erschöpft ihre^Helmgitter aufschlössen das ge-währte einen betrübe:,den Anblick! Der eine Ritter, der herausgeforderteKämpe, war ein Todtcr, und aus dem geöffneten Visir grinste ein fleischloserSchädel. Der andere Ritter, der als junger Fant in den Wald gezogen,trug jetzt ein verfallen fahles Grcisenantlitz und sein Haar war schneeweiß.Von den hohen Bäumen herab, wie verhöhnend, kicherte und lachte das ge-spenstisch weiße Gevögel.

Geschrieben zu Paris im Wonnemond 1838.