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Obcrtheil des Gesichtes; der untere Theil ist viel zu schmächtig. Ich binnämlich seit einiger Zeit sehr dick und wohlbeleibt geworden, und ich fürchte,ich werde bald wie ein Bürgermeister aussei)»; — ach, die schwäbische Schulemacht mir so viel Kummer!
Ich sehe, wie der geneigte Leser mit verwunderten Augen um Erklärungbittet: was ich unter dem Namen „schwäbische Schule" eigentlich verstehe?Was ist das, die schwäbische Schule? Es ist noch nicht lange her, daß ichselber an mehre reisende Schwaben diese Frage richtete, und um Auskunftbat. Sie wollten lange nicht mit der Sprache heraus und lächelten sehrsonderbar, etwa wie die Apotheker lächeln, wenn frühmorgens am ersten Aprileine leichtgläubige Magd zu ihnen in den Laden kömmt und für zwei KreuzerMllckcuhonig verlangt. In meiner Einfalt glaubte ich anfangs, unter demNamen schwäbische Schule verstünde man jenen blühenden Wald großerMänner, der dem Boden Schwabens entsprossen, jene Ricscncichrn, die bis inden Mittelpunkt der Erde wurzeln und deren Wipfel hinaufragt bis an dieSterne. . . Und ich frug: nicht wahr, Schiller gehört dazu, der wildeSchöpfer, der die Räuber schuf? . . . Nein, lautete die Antwort, mit demhaben wir nichts zu schaffen, solche Räuberdichter gehören nicht zur schwäbischenSchule; bei uns geht's hübsch ordentlich zu, und der Schiller hat auch frühaus dem Land hinaus müssen. Gehört denn Schilling zur schwäbischenSchule, Schelling, der irrende Weltwcise, der König Arthus der Philosophie,welcher vergeblich das absolute Montsalvatsch aufsucht und verschmachten mußin der mystischen Wildniß? Wir verstehen das nicht, antwortete man mir,aber soviel können wir Ihnen versichern, der Schilling gehört nicht zur schwä-bischen Schule. Gehört Hegel dazu, der Gcistcsweltumscgler, der uner-schrocken vorgedrungen bis zum Nordpol des Gedankens, wo einem das Gehirneinfriert im abstrakten Eis? . . . Den kennen wir gar nicht. Gehört dennDavid Strauß dazu, der David mit dem tödtlichen Schleuder? . . . Gottbewahre uns vor dem, den haben wir sogar exkommunizirt, und wollte der sichin die schwäbische Schule ausnehmen lassen, so bekäme er gewiß lauter schwarzeKugeln.
Aber um des Himmels willen — rief ich aus, nachdem ich fast alle großeNamen Schwabens aufgezählt hatte, und bis auf alte Zeiten zurückgegangenwar, bis auf Keppler, den großen Stern, der den ganzen Himmel verstanden,ja, bis auf die Hohenstaufen, die so herrlich auf Erden leuchteten, irdische Son-nen im deutschen Kaiscrmantel — wer gehört denn eigentlich zur schwäbischenSchule?
Wohlan, antwortete man mir, wir wollen Ihnen die Wahrheit sagen: dieRenomm een, die Sie eben ausgezählt, sind viel mehr europäisch als schwä-bisch, sie sind gleichsam ausgewandert und haben sich dem Auslände aufge-