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ihnen von einer Doktrin, von einer gelehrten Untersuchung, von einer wissen-schaftlichen Ansicht nur ein Weniges zu sagen braucht, und dieses Wenigewissen sie so vortrefflich in ihrem Geiste zu kombiniren und zu verarbeiten,daß sie alsdann die Sache noch weit besser verstehen wie wir selber und unsüber unser eignes Wissen belehren können. Es will mich manchmal bedünken,als seien die Köpfe der Franzosen, eben so wie ihre Kaffeehäuser, inwendigmit lauter Spiegeln versehen, so daß jede Idee, die ihnen in den Kopf ge-langt, sich dort unzählige Mal reflcktirt: eine optische Einrichtung, wodurchsogar die engsten und dürftigsten Köpfe sehr weit und strahlend erscheinen.Diese brillanten Köpfe, ebenso wie die glänzenden Kaffeehäuser, pflegen einenarmen Deutschen, wenn er zuerst nach Paris kömmt, sehr zu blenden.
Ich fürchte, ich komme aus den süßen Gewässern des Lobes unversehens indas bittere Meer des Tadels. Ja, ich kann nicht umhin den Herrn Cousinwegen eines Umstandes bitter zu tadeln! nämlich Er, der die Wahrheit liebtnoch mehr als den Plato und den Tcnncmann, Er ist ungerecht gegen sichselber, er verleumdet sich selber, indem er uns einreden möchte, er habe ausder Philosophie der Herren Schilling und Hegel allerlei entlehnt. Gegendiese Selbstanschuldigung muß ich Herrn Cousin in Schuß nehmen. AufWort und Gewissen! dieser ehrliche Mann hat aus der Philosophie der Her-ren Schilling und Hegel nicht das Mindeste gestohlen, und wenn er als einAndenken von diesen beiden etwas mit nach Hause gebracht hat, so war esnur ihre Freundschaft. Das macht seinem Herzen Ehre. Aber von solchenfälschlichen Selbstanklagen gicbt es viele Beispiele in der Psychologie. Ichkannte einen Mann, der von sich selber aussagte: er habe an der Tafel desKönigs silberne Löffel gestohlen; und doch wußten wir alle, daß der armeTeufel nicht hoffähig war, und sich dieses Löffcldiebstahls anklagte, um unsglauben zu machen, er sei im Schlosse zu Gaste gewesen.
Nein, Herr Cousin hat in der deutschen Philosophie immer das sechste Gebotbefolgt, hier hat er auch nicht eine einzige Idee, auch nicht ein Zuckcrlöffclchenvon Idee eingesteckt. Alle Zeugenaussagen stimmen darin überein, daß HerrCousin in dieser Beziehung, ich sage in dieser Beziehung, die Ehrlichkeit selbstsei. Und es sind nicht bloß seine Freunde, sondern auch seine Gegner, dieihm dieses Zeugniß geben. Ein solches Zcugniß enthalten z. B. die berlinerJahrbücher der wissenschaftlichen Critik von diesem Jahre, und da der Ver-fasser dieser Urkunde, der große Hinrichs, keineswegs ein Lobhudler und seineWorte desto unverdächtiger sind, so will ich sie später in ihrem ganzen Um-fange mittheilcn. Es gilt einen großen Mann von einer schweren Anklagezu befreien, und nur deshalb erwähne ich das Zeugniß der berliner Jahr-bücher die freilich durch einen etwas spöttischen Ton, womit sie von HerrnCousin reden, mein eigenes Gemllth unangenehm berühren. Denn ich bin