kcmnmg zollten, haben sie doch nie öffentlich ihn nach Gebühr gepriesen. Ja,einige Schriftsteller Pflegten sogar wegwerfend von ihm sich zu äußern, unddas waren eben diejenigen, die seine Weise nachahmten. Man könnte dasWort auf sie anwenden, das Steedens von Voltaire gebraucht, als dieser denShakespeare schmähte, nachdem er dessen Othello zn seinem Orosman benutzt;er sagte ncmlich: diese Leute gleichen den Dieben, die nachher das HauS an-stecken, wo sie gestohlen haben. Warum hat Herr Tieck nie von Arnim gehöriggesprochen, er, der über so manches unbedeutende Machwerk so viel Geistreichessagen konnte ? Die Herren Schlegel haben ebenfalls den Arnim ignorirt.Nur nach seinem Tode erhielt er eine Art Nekrolog von einem Mitglied derSchule.
Ich glaube, Arnims Renommee konnte besonders deshalb nicht aufkommen,weil er seinen Freunden, der katholischen Parthei, noch immer viel zu protestan-tisch blieb, und weil wieder die protestantische Parthei ihn für einen Krypto-katholikcn hielt. Aber warum hat ihn das Volk abgelehnt, das Volk, welchemseine Romane und Novellen in jeder Leihbibliothek zugänglich waren? AuchHoffmann wurde in unseren Litcraturzeitungen und ästhetischen Blättern fastgar nicht besprochen, die höhere Kritik beobachtete in Betreff seiner ein vorneh-mes Schweigen, und doch wurde er allgemein gelesen. Warum vernachlässigtenun das deutsche Volk einen Schriftsteller, dessen Phantasie von weltumfassen-der Weite, dessen Gcmüth von schauerlichster Tiefe, und dessen Darstellungs-gabe so unübertrefflich war? Etwas fehlte diesem Dichter, und dieses Etwasist es eben, was das Volk in den Büchern sucht: das Leben. Das Volk ver-langt, daß die Schriftsteller seine Tagesleidenschaften mitfühlen, daß sie dieEmpfindungen seiner eigenen Brust entweder angenehm anregen oder verletzen:das Volk will bewegt werden. Dieses Bedllrfniß konnte aber Arnim nicht be-friedigen. Er war kein Dichter des Lebens, sondern des Todes. In allemwas er schrieb, herrscht nur eine schattenhafte Bewegung, die Figuren tummelnsich hastig, sie bewegen die Lippen, als wenn sie sprächen, aber man sieht nurihre Worte, man hört sie nicht. Diese Figuren springen, ringen, stellen sichauf den Kopf, nahen sich uns heimlich, und flüstern uns leise ins Ohr: wirsind todt. Solches Schauspiel würde allzu grauenhaft und peinigend sein,wäre nicht die Arnim schc Grazie, die über jede dieser Dichtungen verbreitet ist,wie das Lächeln eines Kindes, aber eines tobten Kindes. Arnim kann dieLiebe schildern, zuweilen auch die Sinnlichkeit, aber sogar da können wir nichtmit ihm fühlen; wir sehen schöne Leiber, wogende Busen, feingebaute Hüften,aber ein kaltes, feuchtes Lcichcngcwand umhüllt dieses Alles. Manchmal ist Ar-nim witzig, und wir müssen sogar lachen; aber es ist doch, als wenn der Toduns kitzle mit seiner Sense. Gewöhnlich jedoch ist er ernsthaft, und zwar wieein todter Deutscher, Ein lebendiger Deutscher ist schon ein hinlänglich ernst-