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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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184
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zeitig, und er haßte den Molibre aus demselben Grunde, weshalb Napoleonden Tacitus gehaßt hat. Wie Napoleon Bonaparte, der französische Cäsar,wohl fühlte, daß ihn der republikanische Geschichtschreibcr ebenfalls nicht mitRvsenfarbcn geschildert hätte; so hatte auch Herr A. W. Schlegel, der deut-sche Osiris, längst geahnt, daß er dem Moliöre, dem großen Komiker, wenndieser jetzt lebte, nimmermehr entgangen wäre. Und Napoleon sagte vonTacitus, er sei der Verläumdcr des Tiberius, und Herr August WilhelmSchlegel sagte von Molibre, daß er gar kein Dichter, sondern nur ein Possen-reißer gewesen sei.

Herr N. W. Schlegel verließ bald darauf Paris, nachdem er vorher vonSr. Majestät, Ludwig Philipp I., König der Franzosen, mit dem Orden derEhrenlegion dekorirt worden. Der Moniteur hat bis jetzt noch gezögert, dieseBegebenheit gehörig zu berichten; aber Thalia, die Muse der Komödie, hatsie hastig aufgezeichnet in ihr lachendes Notizcnbuch.

2.

Nach den Schlegeln war Herr Ludwig Ticck einer der thätigsten Schrift-steller der romantischen Schule. Für diese kämpfte und dichtete er. Er warPoet, ein Name, den keiner von den beiden Schlegeln verdient. Er war derwirkliche Sohn des Phöbus Apollo, und, wie sein ewig jugendlicher Bater,führte er nicht bloß die Leier, sondern auch den Bogen mit dem Köcher vollklingender Pfeile. Er war trunken von lyrischer Lust und kritischer Grau-samkeit, wie der delphische Gott. Hatte er, gleich diesem, irgend einen lite-rarischen Marsyas erbärmlichst gcschundin, dann griff er, mit den blutigenFingern, wieder lustig in die goldenen Saiten seiner Lcyer und sang ein freu-diges Minnelied.

Die poetische Polemik, dieHcrr Tieck, in dramatischer Form, gegen die Geg-ner der Schule führte, gebort zu den außerordentlichsten Erscheinungen unse-rer Literatur. Es sind satyrische Dramen, die man gewöhnlich mit den Lust-spielen des Aristophanes vergleicht. Aber sie unterscheiden sich von diesen fasteben so wie eine SophoklcischcTragödie sich von einer Shakespeare'schcn unter-scheidet. Hatte ncmlich die antique Comödie ganz den einheitlichen Zuschnitt,den strengen Gang und die zierlichst ausgebildete metrische Sprache der antique»Tragödie, als deren Parodie sie gelten konnte, so sind die dramatischen Saty-ren des Herrn Tieck ganz so abcntheucrlich zugeschnitten, ganz so englisch un-regelmäßig und so metrisch willkllhrlich wie die Tragödien des Shakespeare.War diese Form eine neue Erfindung des Herrn Tieck? Nein, sie existirte