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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Das Theater beherrschte Jfflaud mit seinen bürgerlich larmoyanten Dramenund Kotzebue mit seinen banal witzigen Possen.

Diese Literatur war es wogegen sich, während den leßten Jahren deS vori-gen Jahrhunderts, eine Schule in Deutschland erhob, die wir die romantischegenannt, und als deren Gerants sich uns die Herren August Wilhelm undFriedrich Schlegel präsentirt haben. Jena, wo sich diese beiden Brüder nebstvielen gleichgestimmten Geistern auf und zu befanden, war der Mittelpunkt,von wo aus die neue ästhetische Doktrin sich verbreitete. Ich sage Doktrin,denn diese Schule begann mit Benrtheilung der Kunstwerke der Vergangen-heit und mit dem Neccpt zu den Kunstwerken der Zukunft. In diesen beidenRichtungen bat die schlcgelsche Schule große Vcrdieuste um die ästhetischeKritik. Bei der Bcurtheilung der schon vorhandenen Kunstwerke wurdenentweder ihre Mängel und Gebrechen nachgewiesen, oder ihre Vorzüge undSchönheiten beleuchtet. In der Polemik, in jenem Aufdecken der artistischenMängel und Gebrechen, waren die Herren Schlegel durchaus die Nacbabmerdes alten LcssingS, sie bemächtigten sich seines großen Schlachtschwcrts; nurwarder Arm des Herren August Wilhelm Schlegel viel zu zart schwächlichund das Auge seines Bruders Friedrich viel zu mystisch umwölkt, als daß jenerso stark und dieser so scharftrcffend zuschlagen konnte wie Lessing. In derreproduzircndcn Kritik aber, wo die Schönheiten eines Kunstwerks veranschau-licht werden, wo es ans ein feines Herausfühlen der Eigentbümlichkcitenankam, wo diese zum Verständniß gebracht werden mußten, da sind die HerrenSchlegel dem alten Lcssing ganz überlege». Was soll ich aber von ihrenNecepten für anzufertigende Meisterwerke sagen! Da offenbarte sich bei denHerren Schlegel eine Ohnmacht, die wir ebenfalls bei Lcssing zu finden glauben.Auch dieser, so stark er im Verneinen ist, so schwach ist er im Bejahen, seltenkann er ein Grundprincip aufstellen, noch seltener ein richtiges. Es fcblt ibmder feste Boden einer Philosophie, eines philosophischen Systems. Dieses istnun bei den Herren Schlegel in noch viel trostloserem Grade der Fall. Manfabelt mancherlei von dem Einfluß des Fichtcschen Idealismus und der Schel-lingschcn Naturphilosophie auf die romantische Schule, die man sogar ganzdaraus hervorgehen läßt. Aber ich sehe hier höchstens nur den Einfluß einigerFichteschen und Schcllingschcn Gcdankcnfragmentc, keineswegs den Einflußeiner Philosophie. Herr Schilling, der damals in Jena docirte, hat aberjedenfalls persönlich großen Einfluß auf die romantische Schule ausgeübt; erist, was man in Frankreich nicht weiß, auch ein Stück Poet, und eS heißt, ersei noch zweifelhaft, ob er nicht seine sämmtlichen philosophischen Lehren ineinem poetischen, ja metrischen Gewände herausgeben solle. Dieser Zweifelcharakierisirt den Mann.

Wenn aber die Herren Schlegel für die Meisterwerke, die sie sich bei den