Druckschrift 
5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

lächeln, daß ich seine gelehrte Arbeiten nicht besser gewürdigt habe. Darairmag ihm wenig gelegen sein, denn hier bin ich ja doch kein so competenwrNichter wie etwa sein Freund S. Münk, der Orientalist, der mit einer um-fassenden Biographie des Verstorbenen und mit der Herausgabe seiner hinter-lasscncn Werke beschäftigt sein soll.

Spätere Note.

(Im März ISöt.)

Da ich mich immer einer guten Gesinnung und eines eben so guten Stilesbeflissen, so genieße ich die Gcnugthuung, daß ich cS wagen darf, unter demanspruchvollen NamenDenkworte" die vorstehenden Blätter hier mitzuthei-lcn, obgleich sie anonym für das Tagesbcdürfniß derAugsburger Allge-meinen Zeitung" bereits vor zehn Jahren geschrieben worden. Seit jenerZeit hat sich vieles in Deutschland verändert, und auch die Frage von derbürgerlichen Gleichstellung der Bekenner des mosaischen Glaubens, die gele-gentlich in obigen Blättern besprochen ward, hat seitdem sonderbare Schicksaleerlitten. Im Frühling des Jahres 1818 schien sie auf immer erledigt, aberwie mit so vielen andern Errungenschaften aus jener Bliithczcit deutscherHoffnung, mag es jetzt in unsrer Hcimath auch mit besagter Frage sehr rück-gängig aussehen, und an manchen Orten soll sie sich wieder, wie man mirsagt, im schmachvollsten statu guo befinden. Die Juden dürften endlich zurEinsicht gelangen, daß sie erst dann wahrhaft cmancipirt werden können, wennauch die Emancipation der Christen vollständig erkämpft und sicher gestelltworden. Ihre Sache ist identisch mit der des deutschen Volks, und sie dürfe»nicht als Juden begehren, was ihnen als Deutschen längst gebührte.

Ich habe in obigen Blättern angedeutet, daß sich der Gelehrte S. Münkmit einer Herausgabe der hinterlassen«, Schriften des seligen Marcus beschäf-tigen werde. Leider ist dieses jetzt unmöglich, da jener große Orientalist aneinem Ucbel leidet, das ihm nicht erlaubt,.sich einer solchen Arbeit zu unter-ziehen; er ist nämlich seit zwei Jahren gänzlich erblindet. Ich vernahm erstkürzlich dieses betrübsame Ereigniß, und erinnere mich jetzt, daß der vortreff-liche Mann trotz bedenklicher Symptome sein leidendes Gesicht nie schonenwollte. Als ich das letzte Mal die Ehre hatte ihn auf der königliche» Biblio-thek zu sehen, saß er vergraben in einem Wust von arabischen Manuskripten,und es war schmerzlich anzusehen, wie er seine kranken blassen Augen mit derEntzifferung des phantastisch geschnörkelten Abracadabra anstrengte. Er war