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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Was ist der Grund, warum von dcn Deutschen, die nach Frankreich herübergekommen, so viele in Wahnsinn verfallen? Tie Meisten hat der Tod ausder Geistesnacht erlöst; andere sind in Irrenanstalten gleichsam lebendig begra-ben ; viele auch, denen ein Funken von Bewußtsein geblieben, suchen ihren Zu-stand zu verbergen, und geberden sich halbwcg vernünftig, um nicht eingesperrtzu werden. Dies sind die Pfiffigen; die Dummen können sich nicht langeverstellen. Die Anzahl derer, die mit mehr oder minder lichten Momenten andem finster» llcbel leiden, ist sehr groß, und man möchte bald behaupten, derWahnsinn sei die Nationalkrankhcit der Deutschen in Frankreich. Wahr-scheinlich bringen wir den Keim des Gebrestens mit über dcn Rhein, und aufdem hitzigen Boden, dem glühenden Asphaltpflastcr der hiesigen Gesellschaft,gedeiht rasch zur blühendsten Verrücktheit, was in Deutschland lebenslang nureine närrische Krllppclpflanze geblieben wäre. Oder zeugt es schon von einemhohen Grade des Wahnwitzes, daß man das Vaterland verließ, um in derFremdedie harten Treppen" auf und ab zu steigen, und das noch HärtcrcBrod des Exils mit seinen Thräncn zu feuchten? Man muß jedoch beileibenicht glauben, als seien es excentrische Sturm- und Drangnaturcn, oder garFreunde des Müßiggangs und der entfesselten Sinnlichkeit, die sieb hier in dieAbgründe des Irrsinns verlieren nein, dieses Unglück betraf immer vor-zugsweise die honvrabclsten Gemüthcr, die fleißigsten und enthaltsamstenGeschöpfe.

Zu dcn beklagenswcrthesten Opfern, die jener Krankheit erlagen, gehörtauch unser armer Landsmann Ludwig Marcus. Dieser deutsche Gelehrte,der sich durch Fülle des Wissens ebenso rühmlich auszeichnete, wie durch hoheSittlichkeit, verdient in dieser Beziehung, daß wir sein Andenken durch einigeWorte ehren.

Seine Familienverhältnisse und das ganze Detail seiner Lebensumständesind uns nie genau bekannt gewesen. So viel ich weiß, ist er geboren zuDessau im Jahre (798, von unbemittelten Eltern, die dem gotteefürchtigcnCultus des Judenthums anhinge». Er kam Anno 1829 nach Berlin, umMedici» zu studircn, verließ aber bald diese Wissenschaft. Dort zu Berlinsah ich ihn zuerst, und zwar im Collegium von Hegel, wo er oft neben mirsaß und die Worte des Meisters gehörig nachschrieb. Er war damals zwci-undzwanzig Jahre alt, doch seine äußere Erscheinung war nichts weniger als

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