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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Charakteristisch ist es, daß unser» deutschen Schelmen immer eine gewisseSentimentalität anklebt. Sie sind keine kalten Verstandesspitzbuben, sondernSchufte von Gefühl. Sic haben Gcmiith, sie nehmen den wärmsten Nn-theil an dem Schicksal derer, die sie bcstohlen, und man kann sie nicht los wer-den. Sogar unsre vornehmen Jndustricritter sind nicht bloße Egoisten, dienur für sich stehlen, sondern sie wollen den schnöden Mammon erwerben, nmGutes zu thun; in den Freistunden, wo sie nicht von ihre» Berussgcschäftcn,z. B. von der Direktion einer Gasbeleuchtung der böhmischen Wälder, inAnspruch genommen werden, beschützen sie Pianisten und Journalisten, undunter der bnntgcsticktcn, in allen Farben der Iris schillernden Weste trägtmancher auch ein Herz, und in dem Herzen den nagenden Bandwurm desWeltschmerzes. Der Industrielle, der mein obenerwähntes Opus in soge-nannter Ucbcrsctzung als Broschüre herausgegeben, begleitete dieselbe mit einerNotiz über meine Person, worin er wchmiithig meinen traurigen Gesund-heitszustand bejammert, und durch eine Zusammenstellung von allerlei Zei-tungsartikeln über mein jetziges klägliches Aussehen die rührendsten Nachrich-ten mittheilt, so daß ich hier von Kopf bis zn Fuß beschrieben bin, und einwitziger Freund bei dieser Lectürc lachend ausrufen konnte: Wir leben wirk-lich in einer verkehrten Welt, und es ist jetzt der Dieb, welcher den Steckbriefdes ehrlichen Mannes, den er bestohlcn hat, zur öffentliche» Kunde bringt.

Geschrieben zu Paris, im März 18Sä.