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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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gewinnt er durch den magischen Ring, der ihm die blühendste Jugcndgcstalt,Schönheit und Anmuth, auch die brillanteste Rittcrkleidnng verleiht. Nachvielen durchschlcmmtcn und verluderten Jahren hat er noch ein LicbeSvcrhält-uist mit der Signora Lukrczia, der berühmtesten Courtisane von Venedig: erverläßt sie aber vcrräthcrisch und schifft nach Athen, wo sich die Tochter desHerzogs in ihn verliebt und ihn hcirathcn will. Die verzweifelnde Lukrcziasucht Rath bei den Mächten der Unterwelt um sich an dem Ungetreuen zurächen, und der Teufel vertraut ihr, daß alle Herrlichkeit des Faust mit demRinge schwinde, den er am Zeigefinger trage. Signora Lukrczia reist nun inPilgcrtracht nach Athen und gelangt dort an den Hof, als eben Faust, hoch-zeitlich geschmückt, der schönen HerzogStochtcr die Hand reichen will um sie zumAltar zu führen. Aber der vermummte Pilger, das rachsüchtige Weib, reißtdem Bräutigam hastig den Ring vom Finger und plötzlich verwandeln sich diejugendlichen Gesichtszüge des Faust i» ein runzlichtcs Grciscnantlitz mit zahn-losem Munde; statt der goldncn Lockensülle umflattert nur noch spärlichesSilbcrhaar den armen Schädel; die funkelnde, purpurne Pracht fällt wiedürres Laub von dem gebückten, schlottrigen Leib, den jetzt nur noch schäbigeLumpen bedecken. Aber der entzauberte Zauberer merkt nicht, daß er sichsolcherweise verändert oder vielmehr, daß Körper und Kleider jetzt die wahreZcrstörniß offenbaren, die sie seit Zwanzig Jahren erlitten, während höllischesBlendwerk dieselbe unter erlogener Herrlichkeit den Augen der Menschen ver-barg ; er begreift nicht, warum das Hofgesinde mit Ekel von ihm zurückweicht,warum die Prinzessin ausruft: schafft mir den alten Bettler aus den Augen!da hält ihm die vermummte Lukrczia schadenfroh einen Spiegel vor, er siehtdarin mit Beschämung seine wirkliche Gestalt und wird von der frechen Die-nerschaft zur Thür hinausgetreten, wie ein räudiger Hund.

Das andre Faust-Drama, dessen ich oben erwähnt, sah ich zur Zeit einesPfcrdcmarktcS in einem hannoverschen Flecken. Auf freier Wiese war einkleines Theater ausgezimmert, und trotzdem daß am Hellen Tage gespielt ward,wirkte die BeschwörungS-Sccnc hinlänglich schaucrvoll. Der Dämon,welcher erschien, nannte sich nicht Mephistophclcs, sondern Nstaroth, ein Name,welcher ursprünglich vielleicht identisch ist Mit dem Namen der Astartc, obgleichletztere in den Geheimschriften der Magikcr für die Gattin des NstarothSgehalten wird. Diese Astarte wird in jenen Schriften dargestellt mit zweiHörnern auf dem Haupte, die einen Halbmond bilden, wie sie denn wirtlicheinst in Phönizicn als eine Mondgöttin verehrt und deshalb von den Juden,gleich allen anderen Gottheiten ihrer Nachbaren, für einen Teufel gehaltenward. König Solomon, der Weise, hat sie jedoch heimlich angebetet undByron hat in seinem Faust, den er Manfred nannte, sie gefeiert. In dem

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