Druckschrift 
5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

und sich eines jeden Stückes, das auf den großen Bühnen Glück machte,gleich bemächtigten, haben gewiß auch nach dem Marlow'schcn Vorbilde einenFaust zu geben gewußt, indem sie das Originaldrama mehr oder minderernsthaft paradirten, oder ihren Lokalbedürfnissen gemäß zustutzten, oder auch,wie oft geschah, von dem Verfasser selbst für den Standpunkt ihres Publikumsumarbeiten ließen. Es ist nun jener Puppenspiel-Faust, der von Englandherüber nach dem Festland kam, durch die Niederlande reisend auch die Markt-buden unserer Heimath besuchte, und in derb deutscher Maulart übersetzt undmit deutschen HanSwurstiaden verballhornt, die unteren Schichten des deut-schen Volkes ergötzte. Wie verschieden auch die Versionen, die sich im Laufeder Zeit, besonders durch das Jmprovisiren, gebildet, so blieb doch das Wesent-liche unverändert, und einem solchen Puppenspiele, das Wolfgang Goethe ineinem Winkcltheater zu Straßburg aufführen sah, hat unser großer Dichterdie Form und den Stoff seines Meisterwerks entlehnt. In der ersten Frag-ment-AuSgabe des Goethc'schen Faustes ist dieses am sichtbarsten; diese ent-behrt noch die der Sakoutala entnommene Einleitung und einen dem Hiobnachgebildeten Prolog, sie weicht noch nicht ab von der schlichten Puppenspiel-form und es ist kein wesentliches Motiv darin enthalten, welches aus eine,Kenntniß der älteren Originalbllcher von Spieß und Widman schließen läßt.

Das ist die Genesis der Faustfabel, von dem Theophilus-Gedichte bis aufGoethe, der sie zu ihrer jetzigen Popularität erhoben hat. Abraham zeugteden Isaak, Isaak zeugte den Jakob, Jakob aber zeugte den Juda, in dessenHänden das Scepter ewig bleiben wird. In der Literatur wie im Leben hatjeder Sohn einen Vater, den er aber freilich nicht immer kennt, oder den ergar verläugncn möchte.

Geschrieben zu Paris, den 1. Oktober 1851.