820 Tliennoelektricität. Thermomagnetismus.
Da wir aulser allen Zweifel gesetzt zu haben glauben,dafs den thermomagnetischen Erscheinungen ganz auf gleicheWeise elektrische Ströme zu Grunde liegen, wie den elektro-magnetischen Erscheinungen, so findet Alles, was in den ver-schiedenen Artikeln dieses Wörterbuches, insbesondere im Ar-tikel „ Elektromagnetismus“ über das Verhältnifs der Elektri-cität zum Magnetismus gesagt worden ist, hier auch seine An-wendung. Nur findet der wesentliche Unterschied statt, dsfsin geraden Stangen von Wismuth, Antimon u. s. w., in wel-chen durch Erwärmung thermomagnetische Erscheinungen er-regt worden sind, kein einfacher elektrischer Strom nach ei-ner einzigen bestimmten Richtung angenommen werden kann,wie in Oersteo’s Leitungsdrahte, sondern dafs vielmehr ineiner solchen Stange Ströme angenommen werden müssen, diesich in einer Art von Kreislauf bewegen, und in gewissenFällen selbst mehrere, woraus allein die Verschiedenheit desVerhaltens einer solchen Stange, wie sie unter II. 6. näherauseinandergesetzt worden ist, von dem Verhalten eines Rheo-phors begreiflich wird.
IV. Anwendungen.
Die wichtigste und bis jetzt fast einzige nützliche An-wendung, welche von dieser interessanten Entdeckung ge-macht worden ist, ist die zur genauen Messung der Tempe-ratur , entweder in Fällen , wo unsere gewöhnlichen Thermo-meter nicht mehr empfindlich genug sind, oder an Orten, wounsere Thermometer nicht so leicht oder gar nicht hingebrachtwerden können, oder endlich in Temperaturen, die zu hochsind, um durch unsere gewöhnlichen Thermometer gemessenzu werden. Den Gedanken zu letzterer Anwendung verdan-ken wir Becquerel 1 , der auch bereits Versuche in dieserHinsicht angestellt hat. Aus den obigen Versuchen ergiebtsich, dafs bei Metallen, namentlich bei Platin, deren Schmelz-punct sehr hoch liegt, die Intensitäten des elektrischen Stro-mes den Temperaturdifferenzen ohne merkliche Abweichungproportional sind. Hat man also sich nach der oben von
1 Poggendorff Ann. IX. SS8.