Stecke bis am Hals in Politik. Wenn Sie die „All-gemeinen Politischen Annalen" lesen, finden Sie darinSpuren meiner Tätigkeit. Seien Sie nur ohne Sorgen,diesen Sommer werfe ich mich wieder den Musen in dieArme. Wo werden Sie diesen Sommer sein? — Ichhabe jetzt Heinses „Ardinghello" gelesen, ebenfalls dessen„Fiormona oder Briefe aus Italien". Ich bitte, wennSie etwa den ganzen Heinse gelesen haben, schreibenSie mir Ihre ganze Meinung über diesen Schriftsteller.Er ist einer jener Dämonen, die ich vielleicht jetzt re-präsentiere, zu denen auch Sie gehören, und die einst denOlymp stürmen werden. Freilich die Zeit dieses Siegesist noch lange nicht da; ich und Sie und die anderenGleichzeitigen, wir werden mit verdrießlich abgemühtemHerzen ins Grab steigen, doch mit der finsteren Über-zeugung, daß die Stärkeren unser Bestehen fortsetzenwerden. Ich bin jetzt umlagert von Feinden und in-trigierenden Pfaffen; mein schlimmster Feind ist meineschlechte Gesundheit. Vielleicht ändern sich die Dinge,ich gehe nach Italien, sammle mich, kehre gestärkt nachNorddeutschland zurück und bilde eine Schule. Es tutnot, daß einer das Nötige tue.
123. An Friedrich Merckel.
München, den t. März 1828.
Dank, herzigen Dank für Deinen letzten Brief. Ichmöchte dir viel antworten, würde mir nicht das Schreibenallzu sauer. Es steht überhaupt sehr sauer mit mir aus.Das hiesige Klima hat vollendet, was der Arger be-
327