noch Hab' ich keine hungernde Frau und Kinder — ichwerde daher noch frei sprechen. Frau v. Varnhagen sollzufrieden sein. Ich möchte der lieben Freundin einenBrief schreiben, lang wie die Welt, weitschweifig undunerträglich wie mein eigenes Leben. Aber — ich binim Begriff diesen Morgen eine Frau zu besuchen, die ichin 11 Jahren nicht gesehen habe, und der man nachsagt,ich sei einst verliebt in sie gewesen. Sie heißt MadameFriedländer aus Königsberg, sozusagen eine Kusine vonmir. Den Gatten ihrer Wahl Hab' ich schon gestern ge-sehen, zum Borgeschmack. Die gute Frau hat sich sehrgeeilt und ist gestern just an dem Tage angelangt, woauch die neue Ausgabe meiner „jungen Leiden" von Hvff-mann & Campe ausgegeben worden ist. — Die Welt istdumm und fade und unerquicklich, und riecht nach ver-trockneten Veilchen.
Ich aber bin Herausgeber der „Politischen An-nalen"; außerdem bin ich fest überzeugt, daß die Esel,wenn sie unter sich sind und sich ausschimpfen wollen,so schimpfen sie sich „Mensch".
Ärgert Dich dein Auge, so reiß es aus; ärgert DichDeine Hand, so haue sie ab; ärgert Dich Deine Zunge,so schneide sie ab; und ärgert Dich Deine Vernunft, sowerde katholisch.
Im neuen Bedlam in London habe ich einen wahn-sinnigen Politiker gesprochen, der mir geheimnisvoll ver-traut hat, der liebe Gott sei eigentlich ein russischerSpion. — Der Kerl soll Mitarbeiter werden bei meinen„Politischen Annalen".
Der Redakteur
H. Heine.
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