112. An Varnhagen von Ense.
London, den 1. Mai 18Z7.
Wenn ich auch nicht viel schreibe, so denke ich dochdesto mehr an Deutschland und an die FranzösischeStraße Nr. 20. Ihnen, lieber, Varnhagen, bringe diesBlatt viel herzlichste Grüße. An Frau von Varnhagenbrauche ich aber gar nicht zu schreiben, sie weiß alles,was ich denke und nicht denke — ich brauche mich auchbei ihr wegen meines langen Schweigens nicht zu ent-schuldigen. Ich war seither doch wieder so innerlichund äußerlich beklemmt, daß ich Ihnen nichts Vernünf-tiges sagen konnte. Und Männer, wenn sie auch keineStockrationalisten sind, wollen doch immer etwas Ver-nünftiges hören. — Für Ihr Büchergeschenk danke ichIhnen. — Um Gottes willen! wie kann man so dickeBücher schreiben! Ihr „Blücher" hat mir ungemein zu-gesagt, ich Hab' ihn zweimal gelesen, und bewundre, wieder feine Diplomat diesen rohen Stoff behandelt hat,ohne ihm Gewalt anzutun. Die Gestalt tritt mächtighervor. Blüchers Gastrollen in England sind unüber-trefflich geschildert. Was Arnim darüber drucken ließ,unterschreibe ich ganz. Herrlich seine Zusammenstellungmit Napoleon. Es ist Wahrheit darin. Und das ge-steht — der Verfasser des Buches Le Grand.
Sonderbar! wie zwei Gleichgestimmte zur selbenZeit, jeder aus enthusiastische Weise, die feindlichstenHäuptlinge, Napoleon und Blücher, dem Publikum dar-gestellt. Und ich denke, wir haben beide doch dasselbegewollt, und bleiben noch gleichgestimmt. Dennoch —ich will's gestehen — kann ich Ihren „Blücher" nicht
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