Mein einziger Umgang hier ist im Hause meinerSchwester, meiner Oheime, des Syndikus Sieveking, unddes Kandidaten Wohlwill. — Mein Oheim zeigt sich mirsehr gnädig, sehr gnädig. — Mit meiner Gesundheit gehtes so ziemlich, ich leide aber noch immer. Die Wirkungdes Norderneyer Seebades scheint heilsam gewesen zusein.
Aber was machst Du, guter, treuer Moses? Istes Dir bei Deiner Vielseitigkeit noch immer leicht, michzu lieben? Ich denke hier an Dich weit öfter, als inGöttingen, weil ich hier isolierter lebe. Ich freue michauf die Zurückkunft von Cohen. Er erzeigt mir vielLiebes, hat mir bei meinem Oheim viel Gnade bereitet,welches um so verdienstlicher ist, da letzterer mit lauterMenschen umgeben ist, die mir feindselig sind. Ich binjetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daßich mich getauft Hab'; ich seh' noch gar nicht ein, daßes mir seitdem besser gegangen sei, im Gegenteil, ich habeseitdem nichts als Unglück. — Doch still hiervon, Du bistzu sehr aufgeklärt, um nicht hierüber zu lächeln.
Grüß mir meinen Bruder, er ist ein guter Junge,und ich hoffe, daß er ein Mensch wird. —
Die Fonds haben gewiß auch Dich sehr in Unruhegesetzt. — Kann man in Berlin das letzte Heft der„Wiener Jahrbücher" einzeln kaufen? Ich möchte das-selbe gern besitzen und will nicht, wie man hier ver-langt, den ganzen Jahrgang bezahlen. Ich bitte Dich,erkundige Dich deshalb. Auch such' zu erfahren, werdarin die Rezension über mich geschrieben. Ist es nichtnärrisch? kaum bin ich getauft, so werde ich als Judeverschrieen. Aber ich sage Dir, nichts als Widerwätig-
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