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1 (1906)
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89. An Rudolf Christiani.

Hamburg, den so und sovielten Dezember 1825.

Lieber Christiani.

Schlechtes Leben hier. Regen, Schnee und zu vielEssen. Und ich sehr verdrießlich. Hamburg ist am Tageeine große Rechenstube und in der Nacht ein großes . . .Alle Menschen sehen mich an, als wollten sie das lyrischeIntermezzo parodieren. Und ich selbst bin voller Ironieund Sentimentalität. Deinen Freund Dr. Halle habeich besucht. Er ist sehr liebreich, sehr zuvorkommend undei» wahrer Jude. Er zeigte sich nämlich im erstenAugenblick schon jüdisch zuvorkommend mit der Frage:Sie werden doch mein Kollege? Argerlich wie ich war(Kleistsche Wendung) sagte ich: Ja; d e r g e st a l t, daßjetzt jeder glaubt, ich bliebe hier, um zu advozieren. Ichaber weiß es am allerwenigsten, was ich hier tun werde.Judessen glaub' nur nicht, daß ich hier müßig sei, imGegenteil, wo ich geh' und steh', mach ich Verse. Fol-gendes famose Lied machte ich gestern abend. Ist es nichtwunderschön? Aber damit Du dieses eingestehst, muß iches wirklich hinschreiben, welches ich hiemit tue:

Sie liebten sich beide, doch keinerWollt es dem andern gesteh»;

Sie sahen sich an so feindlich,

Und wollten vor Liebe vergchn.

Sie trennten sich endlich und sah'n sichNur noch zuweilen im Traum;

Sic waren längst gestorben,

Und wußten es selber kaum.

Peters, das ist dein bestes.

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