An Edom!
Ein Jahrtausend schon und langerDulden wir uns brüderlich;
Du, du duldest, daß ich atme,
Daß du rasest, dulde ich.
Manchmal nur, in dunkeln Zeiten,
Ward dir wunderlich zumut,
Und die liebefrommen TatzchenFärbtest du mit meinem Blut!
Jetzt wird unsre Freundschaft fester,
Und noch täglich nimmt sie zu;
Denn ich selbst begann zu rasen,
Und ich werde fast wie du!
Aber, wie ein Wort das andere gibt, so gibt auchein Vers den andern, und ich will Dir zwar unbedeu-tendere Verse mitteilen, die ich gestern abend machte,als ich über die Wccndcrstraße trotz Regen und Wetterspazieren ging und an Dich dachte, und an die Freude,wenn ich Dir mal den Rabbi zuschicken kann, und ichdichtete schon die Verse, die ich auf den weißen Umschlagdes Eremplars als Vorwort für Dich schreiben würde,—und da ich keine Geheimnisse für Dich habe, so will ichDir schon hier jene Verse mitteilen:
Brich aus in lauten Klagen,
Du düstres Martyrerlied,
Das ich so laug getragenIm flammcnstilleu Gemüt!
Es dringt in alle Ohren,
Und durch die Ohren ins Herz;
Ich habe gewaltig beschworenDen tausendjährigen Schmerz.
Es weinen die Großen und Kleineu,
Sogar die kalten Herrn,
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