Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
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qestiegen sind, bleiben ungeschwächt und unzerstört, so-lange die Brust selbst und alles, was darin sich bewegt,unzerstört bleibt. Und was andere Leute betrifft, somag es wohl sein, daß ihre Gefühle nicht von so ganzunzerstörbarem Stoff sind wie die meinigen, doch merkeich, daß ich diesen andern Leuten oft unrecht tue, wennich glaube, daß ihre Gefühle von zu leichtem Stoffe be-stehen, etwa ausPostpapier, Scharpie, Himbeergelee usw.O, ich habe manche angetroffen, deren Gefühle wieHolz stark waren, und unzerreißbar wie Leder. Den-noch haben diese hölzernen und ledernen GefühledemGesetze der Zeit gehorchen müssen". Sogar dem armenRousseau habe ich unrecht getan; ich erhielt dieser Tagevon ihm einen rührend freundschaftlichen Brief, woriner sich beklagt, daß ich ihn so ganz vergesse, ihn, der mirso freundschaftlich zugetan geblieben.

Ich habe ihm geantwortet, daß ich es sei, der solange ohne Brief gelassen worden, der sogar durch seineAusdrücke verletzt sei usw. Ich ließ ihm wohl merken,daß ich ihn von aller Duplizität nicht ganz frei glaube;dennoch habe ich ihm die zweite Auflage meiner Freund-schaft angekündigt.

Ich lebe sehr still. Das Lorpus juris ist mein Kopf-kissen. Dennoch treibe ich noch manches andere, z. B.Chronikenlesen und Biertrinken. Die Bibliothek undder Ratskeller ruinieren mich. Auch die Liebe quältmich. Es ist nicht mehr die frühere, die einseitige Liebezu einer Einzigen. Ich bin nicht mehr Monotheist inder Liebe, sondern, wie ich mich zum Doppelbier hin-neige, so neige ich mich auch zu einer Doppelliebe. Ichliebe die Medicäische Venus, die hier auf der Bibliothek

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