gewollt, und es ist gut, und still davon! Ich will niemehr klagen. Ich las gestern abend die Briefe Rousseaus,und sah, wie langweilig es ist, wenn man sich beständigbeklagt. Aber ich klage ja nur meiner Gesundheit wegen,und — das mußt Du mir bezeugen — die Schufte, diedurch Machinationen mir das Leben zu verpesten suchen,haben mir selten Klagen entlockt. Ich fühle mich großgenug dazu. Ich lebe jetzt ganz in meiner Jurisprudenz.Wenn Du glaubst, daß ich kein guter Jurist werde, soirrst Du Dich. Du magst immerhin mich als Advokatverwerfen, aber äußere dieses nicht gegen andereLeute, sonst muß ich wahrhaft Hungers sterben. Ichwill aus der Wagschale der Themis mein Mittagsbrotessen und nicht mehr aus der Gnadcnschüssel meinesOheims. Die Vorgänge von vorigem Sommer habeneinen düsteren, dämonischen Eindruck auf mich gemacht.Ich bin nicht groß genug, um Erniedrigung zu ertragen.Am Ende ist vielleicht auch mehr Schlechtes in mir,als Gutes; obzwar beides in kolossalen Massen. Ichliebe dennoch das Gute, und darum auch Dich, guterMoser.
Schreibe mir viel. Bei mir fällt nichts vor. Hierist alles still, und in der Hauptsache anders als bei Euch.Wie Du weißt, in der ganzen Welt verbringen die Men-schen ihr Leben damit, daß sich einer mit dem andernbeschäftigt und dessen Tun und Lassen, Wollen undKönnen beobachtet oder kreuzt oder (des eigenen Vor-teils halber) befördert. In Berlin bekümmert man sichmehr um die lebendigen Menschen, hier in Göttingenmehr um die Toten. Dort beschäftigt man sich auchmehr mit der Politik, hier mehr mit der Literatur der-
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