Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
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Ich warte gestern begierig auf die Post und auf einenBrief von Dir, und vergesse, daß ich erst selber hättewieder schreiben müssen. Dies hätte ich auch schonfrüher getan, wenn mich nicht mein noch immer an-dauerndes Kopfleiden und eine daraus und aus nochandern Kontrarietäten entspringende Verdrießlichkeitdavon abgehalten hätte. Ich würde Dir heute eben-falls nicht schreiben, wenn ich es Dir nicht so früh alsmöglich einprägen wollte, daß Du mir sehr oft, wennauch nur wenig, schreiben mußt, ohne erst abzuwarten,daß ich jede Deiner geehrten Zuschriften mit einer daraufpassenden Antwort eigens beehre. Wenn ich Dir schrei-ben will, werde ich mich wenig darum bekümmern, obschon ein Brief von Dir zur Beantwortung vorliegt, undich werde Dir wohl mehrere Briefe hintereinander schrei-ben, ohne erst die Etikette zu fragen, ob es sich auchschickt, und ob es politisch sei, jemandem zu schreiben,ohne erst seine Antworten regelmäßig abzuwarten. AusObigem, besonders aus der Konfusion, womit es aus-gedrückt ist, wirst Du ersehen haben, daß ichverdrießlich, mürrisch, enlin unausstehlich bin. Dukannst also den Brief weglegen, wenn Du jetztgrade bei guter Laune bist; Du kannst jetzt meinerGrämlichkeit besser ausweichen, als bei meinerAnwesenheit in Berlin, wo ich Dir in höchsteigenerPerson auf den Hals kam. Ich lebe hier ganz isoliert,mit keinem einzigen menschlichen Menschen komme ichzusammen, weil meine Eltern sich von allem Umgangzurückgezogen. Juden sind hier, wie überall, unaussteh-liche Schacherer und Schmutzlappen, die christliche Mittel-klasse unerquicklich, mit einem ungewöhnlichen Rischeß,

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