Leben Sie wohl, lieber Keller, und behalten Sie mich ingutem Andenken. Ich bin,
alter Westfalensenior, Ihr Freund und LandsmannH. Heine.
17. An Ernst Christian August Keller.
Gnesen, den 1. September t82Z.
Mein braver, wackerer Hartman vom Rhein!
Sie werden sich wundern, einen Brief aus Polenvon mir zu erhalten. Wenn ich auch lange gesäumt habe,Ihren letzten, lieben Brief zu beantworten, so habe ichnichtsdestoweniger oft an Sie gedacht; ja, um so öfter,da ich mir täglich Vorwürfe machte, Ihnen noch nichtgeschrieben zu haben. Von einem Tag zum andern wurdeich an der Nase herumgeführt von jemand, der mir dasvon Ihnen verlangte Blatt der gelehrten Göttinger An-zeigen verschaffen wollte, und mittlerweile, vor vierWochen, reiste ich ab von Berlin. — Ich sollte nachDresden und Töplitz reisen, um meine Gesundheit her-zustellen. Aber meine wilde Natur trieb mich nachden Wäldern Polens. Ich wollte das Land kennenlernen und einige befreundete Polen wiedersehen. DasLand ist abscheulich; einen melancholischen Anblick ge-währen die polnischen Dörfer, wo der Mensch wie dasVieh lebt. Ja, liebster Doctrinär, mir wurde gar weh-mütig zumute, als ich jene Resultate einer ausgebildetenAristokratie, der elende Zustand der polnischen Dauern,betrachtete. Daß es in unserm geliebten Deutschland niezu einem ähnlichen Zustand, zu einem Rückfall ins Mittel-alter kommen wird, dafür bürgen mir die vielen Kämpfer