stehlich sind in einem Drama. Vielleicht aus Vorurteil,nur den fünffüßigen Jambus lasse ich dort gelten. Dochdürfen diese nicht reimen; höchstens in ganz lyrischenStellen, wie z. B. das Gespräch von Romeo und Julie,durchaus nicht in ruhig gehaltenen Erpositionsszenen,wie in Deiner „Anna von Cleve". Der Anfang vonletzterer gefällt mir ganz unbändig. In metrischer Hin-sicht finde ich die Jamben weit besser, als ich Dir zu-getraut. Verbanne nur das holprige Trochäengesindelmit ihren Flickwortskrücken, wie z. B. das oft eingeflickteWörtchcn „hold", dem ich, wie Du weißt, durchaus nichthold bin. Die poetischen Bilder in jenen zwei Probensehen aus wie Pharaos magere Kühe. Was mich ammeisten bei Dir wundert, ist, daß alles den Charakterder Flüchtigkeit trägt. Arbeite die „Anna von Cleve"fertig. Ich glaube, Du könntest sie auf die Bühnebringen, wenn Du Anspielungen auf den Prozeß derjetzigen Königin von England einwebtest. Stu-diere jenen Prozeß. Aber überhaupt sei streng gegenDich selbst. Dieses ist bei jungen Dichtern nicht genugzu empfehlen. Lieblich singt der persische Goethe, derherrliche Saadi:
Streng sei gegen dich selbst. Beschneide die üppigen Rebe»;
Desto fröhlicher wächst ihnen die Tränke dereinst.
Aber besonnene Strenge gegen sich selbst ist ganz etwasanderes, als das unbesonnene Gedicht-Autodafe eineswahrscheinlich Besoffenen. Indessen, ich kenne zu gutdas Gemüt des Dichters, um nicht zu wissen, daß einPoet sich weit eher die Nase abschneidet, als daß er seineGedichte verbrennt. Letzteres ist nur ein stehender Aus-druck für Beiseitelegen. Nur eine Mcdea kann ihre
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