überall draus hervor, überall funkeln überraschendpoetische Bilder und Gedanken, so daß das Ganze gleich-sam in einem zauberhaften Diamantschlcicr blitzt undleuchtet. So spricht der eitle Autor, der Enthusiast fürPoesie. Aber der strenge Kritiker, der unerbittliche Dra-maturg trägt eine ganz anders geschliffene Brille,schüttelt den Köpft, und erklart das Ganze für —eine schöne Drahtfigur. „Eine Tragödie mußdrastisch sein" — murmelt er, und das ist dasTodesurteil der meinigen. — Hab ich kein dramatischesTalent? Leicht möglich. Oder haben die französischenTragödien, die ich sonst sehr bewundert habe, unbewußtihren alten Einfluß ausgeübt? Dies letztere ist etwaswahrscheinlicher. Denke Dir, in meiner Tragödie sindalle drei Einheiten höchst gewissenhaft beachtet, fastnur vier Personen hört man immer sprechen, und derDialog ist fast so prcziös, geglättet und geründet wie inder „Phodre" oder in der „Zaire". Du wunderst Dich?Das Rätsel ist leicht gelöst: ich habe versucht, auch imDrama romantischen Geist mit streng plastischer Formzu verbinden. Deshalb wird meine Tragödie ein gleichesSchicksal haben mit Schlegels „Jon". Nämlich weilletzterer ebenfalls in polemischer Absicht geschrieben ist.
Nach Deinen Probeszenen zu urteilen, glaube ichnicht, daß Deine Dramen diesen Fehler haben werden.(Von der llberschrift „dramatisches Gedicht" nehme ichkeine Notiz; so etwas besticht mich nicht.) Wenigstenswirst Du wirkliche Tragödien hervorgebracht haben.Doch ob auch gute? „Das ist die Frage" — sagt derKronprinz von Dänemark. Ich zweilfe. Vielleicht liegt'san den vicrfüßigen Trochäen, die mir überall unaus-