Druckschrift 
1 (1846)
Entstehung
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wohl nicht übe! nehmen würden, wenn ich Ihnen nach einemunverzeihlichen Stillschweigen den zweiten Brief eher schreibe,als den ersten. So wäre mir nach meiner jetzigen Leibes- undGemüthsvcrfassung, die Sie hieraus kennen lernen werden, of-fenbar geholfen gewesen. Allein es sollte ein erster Brief nacheinem unverzeihlichen Stillschweigen geschrieben werden unddas konnte ich nicht: aber ich habe, so wie man Manches inder Welt lernen muß, lernen müssen, mich auch über diese Be-denklichkeit wegzusetzen, und schreibe Ihnen also hier meinenzweiten Brief. Was mich zu diesem Entschluß brachte, warendrei französische Zeilen, in Form einer Dedication in ein philo-sophisches Werk geschrieben, das ich von der Post erhielt. DreiZeilen in der Hofsprache des Himmels, ich meine die hebräische,mit Feuer am Himmel geschrieben, hätten mich so tief nichttreffen können. Das klingt mysteriös, freilich, so wie noch vie-les Andere, was mein erster Brief enthalten wird, auf den ichmich hier beziehen muß. Hier ist der zweite.

Daß Sie, vortrefflicher Mann, noch meiner gedenken, unddas noch mit so vieler Liebe, gibt mir in meinen Augen nocheinen Werth, sonst möchte ich leicht so von mir zu denken an-sangen, wie neulich eine Sterbetheaterdirection, die mich mitder menschenfreundlichen Erinnerung abwies: man trage gewis-ser Umstände wegen Bedenken, mich aufzunehmen. Das warfür meine zeitliche Verfassung ein Donnerschlag, ich sah mirnämlich den Credit von einer Seite aufgekündigt, die ich nochimmer für die festeste hielt; denn so viel auch mein Körper lei-det, und so wenig ich auch auf Wohlbehagen und auf Freudedes Lebens rechnen kann, so habe ich doch das Vertrauen aufdessen Fähigkeit bis jetzt noch nicht verloren gehabt. Was icham meisten fürchte, ist der Verlust meiner Freunde, den ich als