Druckschrift 
1 (1846)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

7.

Göttiilgcn, den Ulm Februar 1785.

AAch fteut es nur, daß Sie über meine Nachlässigkeil imSchreiben die Geduld nicht verlieren. Der Himinel vergelte Ih-nen diese Güte, ich kann es nicht. Diesen Winter hat mich einseltsames und hartes Schicksal verfolgt; wäre ich ein Prinz ge-wesen, sv hätte es wenigstens im hinkenden Boten gestanden,wo es auch in mehr als einer Rücksicht hingehört, wie Sie gleichhören sollen; jetzt aber rührt es nur meine Freunde, freut meineFeinde, und beschäftigt zuweilen noch die liebe Georgia Augusta,eine Dame, die viel Gelehrsamkeit und Fleiß besitzt, aber beimKaffeetisch ein eben so loses Maul hat, als die Damen ausFleisch, oder die aus Haut und Knochen.

Schon vor lv Jahren hatte ich mit meinem Busenfreunde,einem Schweden Namens I.jungberg, der jetzt dänischer Finanz-ralh in Kopenhagen ist, eine Reise nach Italien projectirt; al-lein bald konnte er nicht, bald ich nicht, und bald keiner vonBeiden. Bor zwei Jahren thal er auf Ordre seines Königs eineReise durch Deutschland, die sich etwa im September in Aachenendigte. Bon da schrieb er mir:Bist Du nun bereit? ich bines; ich habe zwar noch keinen Urlaub, allein es ist garkeine Frage, daß ich ihn nicht erhalten sollte; hast Du weiterkein Bedenken, so halte Du sogleich um Urlaub an, in 4 Wo-chen bin ich fertig, dann komme ich nach Güttingen und wirbringen den Winter in Rom und Neapel zu. Gehst Du nichtmit, so mag ich Italien nicht sehen und ich gehe wieder nachEngland bis Ostern.» Dieser Brief kam mir just zur rechtenStunde, wo mein ganzes Wesen, Verstand, Herz, Einbildungs-