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6.
Du warst ein blondes Jungfräulein, so artig,So niedlich und so kühl — vergebens harrt' ichDer Stunde, wo dein Herze sich erschlösseUnd sich daraus Begeisterung ergösse —
Begeisterung für jene hohen Dinge,
Die zwar Verstand und Prosa achten g'ringe.Für die jedoch die Edlen, Schönen, GutenAuf dieser Erde schwärmen, leiden, bluten.
Am Strand des Rheins, wo Rcbenhügel ragen.Ergingen wir uns einst in Sommertagen.Die Sonne lachte; aus den liebevollenKelchen der Blumen Wohlgerüche quollen.
Die Purpurnelken und die Rosen sandtenUns rothe Küsse, die wie Flammen brannten.Im kümmerlichsten Gänseblümchen schienEin ideales Leben aufzublühn.
Du aber gingest ruhig neben mir.
Im weißen Atlaskleid, voll Zucht und Zier,Als wie ein Mädchenbild gemalt von Netschcr;Ein Herzchen im Corset wie'n kleiner Gletscher.
7.
Vom Schöppenstuhle der VernunftBist du vollständig freigesprochen;Das Urtheil sagt: die Kleine hatDurch Thun und Reden nichts verbrochen.
Ja, stumm und thatlos standest du.Als mich verzehrten tolle Flammen —Du schürtest nicht, du sprachst kein Wort,Und doch muß dich mein Herz verdammen.
In meinen Träumen jede NachtKlagt eine Stimmme, die bezichtctDes bösen Willens dich, und sagt.Du habest mich zu Grund gerichtet.