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4 (1855) Deutschland. Atta Troll. Romanzero. Neueste Gedichte
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sehr wunderliche Erscheinungen. Helden und Heilige dieser Erde waren dortzu Lumpen und Taugenichtsen herabgesunken, während auch daö Gegentheilstattfand. So z. B. stieg dem heiligen Antonius der Hochmuth in den Kops,als er erfuhr, weiche ungeheure Verehrung und Anbetung ihm die ganze Chri-stenheit zollt, und er, der hienieden den furchtbarsten Versuchungen wicdcrstan-den, ward jetzt ein ganz impertinenter Schlingel und liederlicher Galgenstrick,der sich mit seinem Schweine um die Wette in den Koth wälzt. Die keuscheSusanne brachte der Dünkel ihrer Sittlichkeit, die sie unbesiegbar glaubte, garschmählich zu Falle, und sie, die einst den Greisen so glorreich widerstanden,erlag der Verlockung des jungen Absalon, Sohn David's. Die TochterLvth's hingegen hatten sich im Verlaus der Zeit sehr vertugendhaftet und gel-ten in der andern Welt für Muster der Anständigkeit; der Alte oerharrte lei-der bei der Weinflasche.

So närrisch sie auch klingen, so sind doch diese Nachrichten ebenso bedeutsamwie scharfsinnig. Der große skandinavische Seher begriff die Einheit undUntheilbarkeit unserer Existenz, sowie er auch die unveräußerlichen Jndividua-litätsrechte des Menschen ganz richtig erkannte und anerkannte. Die Fort-dauer nach dem Tode ist bei ihm kein idealer Mummenschanz, wo wir neueJacken und einen neuen Menschen anziehen; Mensch und Kostüm bleiben beiihm unverändert. In der anderen Welt des Swedenborg werden sich auchdie armen Grönländer behaglich fühlen, die einst, als die dänischen Missionäresie bekehren wollten, an diese die Frage richteten; ob es im christlichen Himmelauch Seehunde gäbe? aus die verneinende Antwort erwiedcrtcn sie betrübt;der christliche Himmel passe alsdann nicht für Grönländer, die nicht ohne See-hunde existiren könnten.

Wie sträubt sich unsere Seele gegen den Gedanken des Aushörcns unsererPersönlichkeit, der ewigen Vernichtung! Der üorroe vnani, den man derNatur zuschreibt, ist vielmehr dem menschlichen Gemüthe angeboren. Seigetrost, theurcr Leser, es gibt eine Fortdauer nach dem Tode, und in der an-dern Welt werden wir auch unsere Seehunde wiederfinden.

Und nun, lebe wohl, und wenn ich Dir etwas schuldig bin, so schicke mirDeine Rechnung.

Geschrieben zu Paris, den 36. September 1851.

Heinrich Heine.