— 268 —
„Sie, die volkreich heil'ge StadtIst zur Wüstenei geworden,Wo Waldteufel, Wehrwolf, SchakalIhr verruchtes Wesen treiben —
„Schlangen, Nachtgevögel nistenIm verwitterten Gemäuer;
Aus des Fensters luft'gem BogenSchaut der Fuchs mit Wohlbehagen.
„Hier und da taucht auf zuweilenEin zerlumpter Knecht der Wüste,Der sein höckrigcS KamcclIn dem hohen Grase weidet.
„Aus der edlen Höhe Zions,
Wo die goldnc Beste ragte,
Deren Herrlichkeiten zeugtenVon der Pracht des großen Königs:
„Dort, von Unkraut überwuchert.Liegen nur noch graue Trümmer,Die uns ansehn schmerzhaft traurig.Daß man glauben muß, sie weinten.
„Und es heißt, sie weinten wirklichEinmal in dem Jahr, an jenemNeunten Tag des Monat Ab —Und mit thränend eignen Augen
„Schaute ich die dicken TropfenAus den großen Steinen sickern.Und ich hörte wehcklagenDie gebrochnen Tempelsä'ulcn."
Solche fromme PilgersagenWeckten in der jungen BrustDes Jchuda den HalevySehnsucht nach Jerusalem.
Dichterschnsucht! ahnend, träumendUnd fatal war sie, wie jene,
Die ans seinem Schloß zu BläheEinst empfand der edle Vidam,