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Die Partheiung zwischen Judaismus, Platonismus, Pythago-räiSmus und Ascetismus eigenthümlich aufgeregter, gewaltiger Na-rren — erfolgte grimmig und blutig, lange bevor die AristotelischeScholastik ihre Panniere auspflanzte und ihre Sphynxe an jedenKreuzweg setzte, um Räthsel aufzugeben, welche heute noch Niemandzu lösen versteht, und wahrscheinlich kein Erdgeborner jemals lösenwird, so lang er auf Erden wandelt.
Ucberdicß lag die ganze Welt in jener Zeit so sehr im Argenund Betrübten, wie es beinahe niemals wieder der Fall geworden.Die Wucht des römischen Eisens drückte erstickend über drei Welt-theilen. Kaiser-Despotismus zerbrach allmalig den ganzen Bauder starken Knochen. Die rafsinirteste Lüdcrlichkeit und Schlemme-rei sardanapalischer Höfe; die roheste und empörenste Brutalität vonFreigelassenen, Messalinen und Schranzen; die tollste Wuth vonEmpörungen und Empörungsversuchen und Rache und Mord zer-rissen und zerfleischten alle Nerven und Muskeln des gigantischenRomerkörpcrs. Vergiftet, verpestet war alles weit und breit. Nar-ren und Bösewichte schienen als Acrzte zu walten, an den wenigenund seltenen Resten edlerer Menschheit ihre Wahnsiimskuren undanatomischen Studien versuchen zu wollen. Alle Heiterkeit und Poesiewar abgefallen von dem einst so wonnigen Paganismus. Entklei-det, entfärbt und voll Modergestankes erschien das absterbende Ge-rippe des Hcivcnthums in seiner scheußlichen Nacktheit, und zucktenur zuweilen noch flammend auf in der Raserei heißhungrigen Pö-bels, in dem höhnenden Prunk der Machthaber oder in der knir-schenden Wuth der alten Priester und Wahrsager. Jede seinerZuckungen glich einem Erdbeben oder vulkanischen Ausbruch; Städteund Provinzen brachen zerstört unter ihr zusammen, und Blut vonTausenden röthete Ströme und Seen.
Auch Jerusalem war, von dem Schwert des guten Titus zer-trümmert, eine Ruinenstadt der Heiden geworden. Und Judaa zer-stiebte in alle Welt gleich der stets wachsenden Gemeinde der jungenChristen. Mancher Jude sah in dem Untergange der salomonischenStadt die Rache des Himmels für den am Messias verübten Fre-vel, und beugte sich reuevoll vor dem Kreuz als Neophit der LehreChristi.
Der Orient und der Occident zerfielen, und zerrissen das alteRömcrreich sehr bedenklich in zwei Halsten, welche fortan in rastlo-ser Eifersucht und geiferndem Neid sich gegenseitig bewachten, haß-ten, verriethm, mißhandelten, schändeten, verderbten. Die Welt ge-riet!) bald in Zweifel, ob zu Rom oder zu Byzanz der Scheußlich-keit und Ruchlosigkeit mehr verübt werde, ob dort oder hier die Re-ligion des Heilandes der Menschheit in ihrer eigentlichen Fülle undKlarheit erscheine.
Römische Kaiser und Kaiserinnen und die Creaturen oder Des-poten beider ahneten Gefahr aus dem sichtbaren WachSlhum der