Druckschrift 
6,2 (1836) Ma
Entstehung
Seite
630
Einzelbild herunterladen
 

630

M a

g i e.

und den Christen fort, nahm aber bei den letztem vermuth-lich wegen ihrer Unverträglichkeit mit den eigentlichen Grund-sätzen der lleligion einen ganz verschiedenen Charakter an.Alle heidnische Religionen nämlich (und von dieser entlehn-ten auch die Juden ihre Dämonologie') nehmen die Existenzvon mehr oder minder mächtigen , guten und bösen Geisternan und setzen den Umgang der Menschen mit diesen im All-gemeinen voraus, so dafs also die näher mit ihnen verbunde-nen Priester nur dadurch in Gefahr kamen, wenn sie die Gei-ster nicht zu zwingen vermochten, sich ihrem Willen zu fü-gen und die an sie gestellten Forderungen zu erfüllen. Diechristliche Religion dagegen kann nach ihren Grundprincipienals strenger Monotheismus die Existenz von Geistern, welchedie Herrschaft eines höchsten Gottes im Grofsen oder auchnur im Kleinen stören und beschränken, auf keine Weise ge-statten und hätte daher in ihrer Reinheit jede Dämonologiezurückweisen müssen. Da sie aber wegen der Schwäche desungebildeten menschlichen Verstandes sich dennoch einschlich,so führte sie die seltsame Hypothese herbei, dafs Geister, so-wohl gute als böse, allgemein eines Einflusses auf die Men-schen fähig seyen, zugleich aber mit der eigenthümlichen Mo-diJication, dafs die guten durch Gebete und heilige Formelnoder Zeichen herbeigezogen, die bösen eben hierdurch ver-scheucht würden, beide dagegen und insbesondere die letztemdurch Zaubersprüche zu verschiedenen Dienstleistungen ge-zwungen werden könnten, eben hierdurch aber, gleichsamwie durch einen Contract auf gegenseitige Hülfe und Unter-stützung, eine ihrer bewiesenen Folgsamkeit angemessene Herr-schaft über die mit ihnen verbundenen Subjecte erlangten. An-statt solche der Voraussetzung nach unglückliche und demewigen Verderben ausgesetzte Individuen aus ihrer Lage zubefreien und zu bessern, brachte es das Streben nach Hierar-chie mit sich, dafs man sie vielmehr verfolgte, welches danndie unglaublich vielen Hexenprocesse veranlagte und die Or-dalien der Alten wieder in Aufnahme brachte. Dieses verab-scheuungswürdige Vorurtheil, die Frucht des finstersten Aber-glaubens, welches sogar fürstliche Personen, Geistliche undselbst die Päpste nicht verschonte, wuchs zunehmend underreichte unmittelbar vor der Reformation seine gröfste Idöhe,als Isxocenz VIII. im Jahre 1484 die berühmte Bulle gegen