97
Ach! wohl thut es Roth, daß die liebe,unverwüstliche, melodische Geschichte der Mensch-heit unsere Seele tröste in dem mißtönendenLärm der Weltgeschichte. Ich höre in diesemAugenblick da draußen, dröhnender, betäubenderals jemals diesen mißtönenden Lärm, dieses sinnen-vcrwirrcndc Getöse; es zürnen die Trommeln,es klirren die Waffen, ein empörtes Menschcn-mccr, mit wahnsinnigen Schmerzen und Flüchen,wälzt sich durch die Gassen das Volk von Parisund heult: „Warschau ist gefallen! UnsereAvantgarde ist gefallen! Nieder mit den Mini-stem! Krieg den Russen! Tod den Preußen!"— Es wird mir schwer, ruhig am Schreibtischesitzen zu bleiben und meinen armen Kunstbericht,meine friedliche Gemäldebcurthcilung, zu Endezu schreiben. Und dennoch, gehe ich hinabauf die Straße und man erkennt mich alsPreußen, so wird mir von irgend einemJnlihcldeir das Gehirn eingedrückt, so daßalle meine Kunstidecn zerquetscht werden;oder ich bekomme einen Bajonctstich in die linke