XIX
lebt noch; denn das Wort kann man nicht auf dieFestung setzen und vermodern lassen.
Ich versichere Euch, ich bin kein Patriot, undwenn ich an jenem Tage geweint habe, so geschah eswegen des kleinen Mädchens. Es war schon gegenAbend, und ein kleines deutsches Mädchen, welchesich vorher schon unter den Auswanderern bemerkt,stand allein am Strande, wie versunken in Gedanken,und schaute hinaus ins weite Meer. Dre Kleinemochte wohl acht Jahr alt scyn, trug zwep niedlichgeflochtene Haar,Köpfchen, ein schwäbisch kurzes Röck-chen von wohlgestreiftem Flanell, hatte ein bleich-kränkelndes Gesichtchen, groß ernsthafte Augen, undmit wcichbesorgtcr, jedoch zugleich neugieriger Stimmefrug sie mich: ob das das Weltmeer sep?
Bis tief in die Nacht stand ich am Meere undweinte. Ich schäme mich nicht dieser Thräncn. AuchAchilles weinte am Meere, und die filberfüßigeMutter mußte ans den Wellen emporsteigen, um ihnzu trösten. Auch ich horte eine Stimme im Wasser,aber minder trostreich, vielmehr aufweckend, gebicthendund doch grundweise. Denn das Meer weiß alles,die Sterne vertrauen ihm des Nachts die verbor-gensten Räthscl des Himmels, in seiner Tiefe liegen,mit den fabelhaft versunkenen Neichen, auch die