Druckschrift 
1 (1849)
Entstehung
Seite
XVII
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XVII

dichtet man die besten Maylicder. Die Freihcitsliebeist eine Kerkcrblume und erst im Gefängnisse fühltman den Werth der Freiheit. So beginnt die deutscheVaterlandsliebe erst an der deutschen Grenze, vor-nehmlich aber beim Anblick deutschen Unglücks in derFremde. In einem Buche, welches mir eben zurHand liegt, und die Briefe einer verstorbenen Freun-dinn enthält, erschütterte mich gestern die Stelle, wosie in der Fremde den Eindruck beschreibt, den derAnblick ihrer Landsleutc, im Kriege 1813, in ihr her-vorbrachte. Ich will die lieben Worte hierhersetzen:

»Den ganzen Morgen Hab' ich häufige, bittereThräncu der Rührung und Kränkung geweint! O,ich habe es nie gewußt, daß ich mein Land so liebe!Wie einer, der durch Physik den Werth des Blutesetwa nicht kennt: wenn man'S ihm abzieht, wird erdoch hinstürzen."

Das ist cS. Deutschland, das sind wir selber.Und darum wurde ich plötzlich so matt und krankbeim Anblick jener Auswandrer, jener großen Blut-ströme, die aus de» Wunden des Vaterlands rinnenund sich in den afrikanischen Sand verlieren. Dasist es; es war wie ein leiblicher Verlust und ichfühlte in der Seele einen fast physischen Schmerz.Vergebens beschwichtigte ich mich mit vernünftigen