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Ebbe und Flutli.
wo Sonne und Mond ihm im Zenith stehn, oder der nach und
nach Sonne und Mond über seinem Horizonte heran! steigensieht, leidet nach und nach eine immevstarker werdende An-zielrang beider, und das Wasser in seiner Umgebung kommtalso zum Steigen, wenn die Erde ganz mit Wasser umgehenist oder wenigstens das Wasser um jenen l’unct mit einem sehrausgedehnten Meere in Verbindung stellt. Dieser Antrieb zum.Anschwellen des Wassers ist freilich am stärksten, wenn Mondund Sonne das Zenith dieses Ortes erreicht haben, aber daauch nachher noch die Kraft in wenig geschwächtem Mafsefortdauert und wegen mannichfaltiger Hindernisse die erreichteHöhe nie ganz dem gleich seyn kann, was erfolgen würde,wenn bei ruhender Erde das Wasser sich ganz ins Gleichge-wicht setzte, so dauert das Anschwellen selbst im grofsenOcean noch fort, wenn auch Mond und Sonne schon überdas Zenith hinaus fortgerückt sind.
Diese Verspätung der Fluth, die aus dem eben bemer-kten Grunde selbst im Ocean statt findet, ist nun noch merk-licher in entlegenen Meeren, deren Zugänge eng sind oder zitdenen die Eluth erst durch einen Umweg gelangen kann, wieschon oben bemerkt ist.
15- DaJ’s nur weit ansgedehnte Meere , nur solche , diemit dem grofsen Ocean in ziemlich freier Verbindung stehn,Fluth und Ebbe hab en können, läfst sich aus demVorigen nunwohl leicht übersehen. Allerdings wird auch im CaspischenMeere die Schwere des "W assers um etwas vermindert, wennSonne und Mond sich dem Zenith nähern, aber da diese Ver-minderung für die ganze Ausdehnung dieses eng begränztenMeeres fast gleich ist, so bleibt die Oberfläche horizontal undnichts verräth jene Einwirkung. Erstreckt sich dagegen einsolches Meer bis in diejenigen Gegenden, wo der Mond inder Kähe des Elorizonts steht, so ist es grade so, als ob ineiner zweischenkligen Röhre im einen Schenkel eine leichtereFlüssigkeit, im andern eine schwerere ist, oder als ob in je-nem die Flüssigkeit alhnählig leichter geworden wäre; bekannt-lich muls diese leichtere Flüssigkeit höher stehen, um der ansich schwerem im andern Schenkel das Gleichgewicht zu hal-ten, wären aber beide in gleichem MaCse leichter geworden,so würde der vorige gleichhohe Stand durch nichts gestörtwerden.