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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
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Des SuropaischenHerolds vierdte Haupt-Handlung

derselben zweyerley sorten. Die erste art kannicht anders / als nachdem Vorzüge des alterserlanget werden; oahero derjenige/ wccherhierzu gelangen will/seine dreyjährige c^rava-ne auffden Groß-Herzoglichen galeren nachden barbarischen küsten gerhan haben / und einartest wegen jeines geleisteten Noviciats bey-bringen muß- Die dommanäenen von derzweytcn sorte werden (wmmenäeriX grsttT ge-nennet/ welche der Groß-meister ertheilet/ wemer will.

Das Ordens-Haus nebst der Arche / darin-nen viele denBarbaren abgenommene sahnenund dergleichen beute zu sehen/ ist in der stadtPifln Um derselben ein höher ansehen zu ma-chen/ ließ der ichige Groß-Hertzog die re!i°guicn des heil. Stephan: A. 168z von Tram Hie-her bringen; welches noch um ein grosses ver-mehret wurde/als im letztabgewichenen jubelejähre durch Pabsts irmocentu xn geschenck derjenige stuhl/ auffwelchem dieser Ordens-Heili-ge die Martyr - crone erlanget haben soll/darzu käme. Ein ieder Ritter / welcher hie--selbst wohnen will/ bekömmt seine Wohnung/wie auch monatlich zehn Römische ftudi/ undverschiedene andere crgctzlichketten.

Äormahls hatten sie sieben/ zuweilen auchmehr ausgerüstete aaleren/welche von den: Or-den unterhalten wurden. Sie haben sich je-derzeit dermaßen wohl wider die Türcken ge-halten / daß man ihnen nunmehro die ehre thut/selbigen die avantgZl-äe zu lassen / wenn sie sichauf dem meer mit denPäbstlichen und Malte-sischen galeren rsncontnren; gestalt man ihnennachgerechnet/ daß sie von erster stifftung desOrdens an/ biß A. 1688/ acht und zwantzig ga-leeren/ein und dreyßig galeotten/ und über-zsandere grosse und kleine schiffe denen Musul-mannern abgenommen/ achtzehn schlösserundstädte erobert/über 7000 Christen aus der scla-verey befteyer/undwohl2>OOOTürcken gefan-gen weggeführet haben. Voritzo ist die zahlderselben auf vier gestellet/welche sich wohl aus-gerüstet in demsee-hafen zu Livorno befinden/und welche alle jähre ihren lauff nach den bar-barischen küsten rüsten. Ausser dem Grsß-Meisier/welches/wie obaemeldt/ der Groß-Hertzog allemahl selbsten ist/ sind noch neun ho-he chargen / als der Groß - Lommanäsur, derGroß-LvnnstZblei der Admiral oder Generalder galeeren/ der Groß-Prieur/ derGroß-Cantzler/der Groß-Schatzmeister / derGroß-^vniervLtL'l-s, der Groß - ^oisstalsrius,und der prior der Conoentual-kirchen/wel-che alle drey jähr zu Pisa / da man eben ein Ge-neral-Capitul zu halten pfleget/ von neuem er-wehlet und bestellet werden. Die ordentlichdazu bestimmte zeit ist der sonntag nach Ostern/und kommen zu solcher solennirat bei) 500 Rit-ter zusammen. Sonsien aber halt der Groß-Hertzog in der kirchen 8. l^ureatu zu Florentzjahrlich dreymahl capekle/nemlich aufden erstenChrist - tag / grünen Donnerstag und MariaHimmelfahrt/ an welchen die anwesende Rit-ter ebenfalls verbunden sind/ sich in ihrem Or-dens - Habit einzufinden. Derstlbige nundestehet in einem weissen chamelottenen rock/miteinem rothen creutz / crwx ancre, welches an denExtremitäten etwas Mummet ist/ ausancker-

art/ wie es dieJohanniter-Ritter führen. Uberdiesem rock aber tragen sie einen ober-mantcl/auf art der Capuciner / welcher halb roch undhalb weiß ist. Die Ordens-verwandte ver-pflichten sich / die christliche kirche zu verteidi-gen/ arme gefangene Christen zu erlösen/ täglichhundertund so viel -^.ve kiLt-ia zusprechen/und aus gewisse tage / oder bey abster-ben eines Ritters solche cmzah! zu VerdoppelmWenn einer zum Ritter gemachet wird/so em-pfanget erden degen von demGroß-Cantzlar/und gibt selbigen dem Großvorwelchem er aus die knie fallet. Dieser schlägetihn zweymah! darmit aus die achseln / undspricht zu ihm : Sepet ein soldatsChristi Und S. Stephan:» Hierauf legenihm zwey Ritter die sporne an / und überreichetihm der Groß-Lormetsble den degen wieder»Alsdenn stehet er auf/ und setzet sich denselbenzweymahl an das hertze/ schwinget ihn sodannzweymahl in die lufft/anzuzeigen/ daß er densel-ben zur beschützung des glaubens gebrauchenwolle. Nach diesem kniet er vor seinen bet-stuhl/ empfanget die Lommunion, kniet wieder-um vor dem Groß-^onnetadlenieder/ und le-get den gewöhnlichen eyd vor ihm ab. Fol-gends ziehet er den Ordens-Habit an/thut einigegebete/ woraus der Groß-Lc)nne:able zu ihm sa-get/daß er hinführo an dem ablaß/welchen vie-le Päbste dem Orden verliehen/ theil haben sol-le / wie auch seine nechsten anverwandten.

Wenn ihm hierauf der Groß-Lonns^Klesei-nen rock zu küßen gegeben / und ihn aufge-richtet hm/umarmet er ihn. Endlich gehet derneue Ritter von einem zum andern/und gibt ihmden kuß des ftiedens. ^ Die mtraden des Or-dens erstrecken sich aufzOosc) krönen/ ohne dasjenige/wasaufdie militzzurste/ unddie schiff-rüstungen/ deren bestreitung der Orden ihm/ausgehet. Sie haben gleich denen Maltesernihre Priester/5ervienten und vonati, welchenicht das völlige wapen führen / und also vorkratres äimicli-e crucis ^>25lireN. MerckwÜrdtgist/ daß auch die Nonnen im kloster äeüaÜMÄ Lvncettioue sich von diesem Ritter - Ordennennen; wie sie denn ein rothes creutz auf derbrüst tragen/und ihren Ade! edener maßen wiedie Ritter probiren müssen.

Die macht und vermögen des Gwß-Macht desHectzogs ist leichtlich aus den ansehnlichen Groß-Hnlanden und volckreichen städten / die er besitzen ^abzunehmen. Massen denn dessen terriroriumsich auf^OO-Jtaliänische weiten in die lange/und so in die breite erstrecket. Man rechnetLO Bischöffliche städte / 500 kleine vermauretestädte/ und eine gar grosse anzah! flecken unddörffer. Die landschafften klarem und l'ttakönnen allein eine miüion menschen zählen /aus welchen eine starcke anzahl zu monciren/undim kriege zu gebrauchen wäre/ wenn man denausfchuß fleißig excrciren/ und Zuführung derWaffen bequem machen wolte/daran es denn sowenig mangelt/ daß alle zeug-hauter in allenvestungcn davon/und von andern knegs- noch-wendigkeitenvollstecken/und an fürtrefflichkeitund menge der artillerie es diesem Groß-Her-tzog keine ItaliänischePotentz und Fürst gleichthun kan. Dennoch erstrecket sich ihiger zeitdiekriegs-verfassung des land-volckes höher

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