Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am vierten Sonntage nach Trinitatis. 2öt

chet, die alles Unrecht müssen leiden, doch ohne ihren Willen. Denndie Creatur sagt nicht, daß der Teufel und die bösen Leute rechtdaran thun, daß sie ihrer so schandlich mißbrauchen; sie lasset esaber so geschehen um deß willen, der sie der Eitelkeit hat unterwor-fen , und hoffet darneben, es soll mit der Zeit anders und besserwerden, da sie wieder in einen rechten Brauch kommen soll, undaller Mißbrauch abgeschaffet werden- daß also St. Paulus diegantze Creatur in ein ander Leben weiset und sagt, sie sey diß Le-bens eben so müde, als wir, und dencke mit uns auf ein neuesWesen und Leben. Denn das Heisset er das endliche Harren derCreatur, daß sie nicht gedencket, also zu bleiben, wie sie jetzt ist,sondern stehet mit uns hinauf gen Himmel, und Hosset aus diesemschandlichen Leben in ein- besseres zu kommen, da sie denn auchfrey wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens, wie der Apo-stel hernach anzeiget. Und durch diese Worte gibt er zu verstehen,daß die gantze Creatur noch viel schöner uud herrlicher soll werden,denn sie jetzt ist, da sie noch mit uns muß unterworfen seyn denTyrannen, welche unsere Ehre, Leib und Gut nach ihrem Muth-willen mißbrauchen, wie der Teufel unserer Seele mißbrauchet.Das müssen wir leiden, als die auf Erden ins Teufels Reich ge-fangen sind, und die gantze Creatur mit uns. Denn die Erdemuß sich manchen argen Schalck lassen treten und bauen, undihm seine Nahrung geben, dergleichen Luft, Feuer, Wasser w.:daß also alle Creatur ihr Creutz hat, doch auf Hoffnung, daß desSpiels einmal soll ein Ende werden. Und ist sehr fein tröstlichgeredet, daß er die gantze Creatur einzeucht, gleich als in einePerson, die mit uns ein Verlangen habe, aus diesem Leben inein anders zu kommen- daß wir ja gewiß wissen, daß wir nochnicht leben, wie wir sollen, sondern warten eines andern Lebens,das unser rechtes Leben soll seyn, wie die Sonne eines andernSchmucks wartet, den sie haben soll samt der Erde und allen an-dern Creaturen, nemlich, daß sie gereiniget soll werden von allemMißbrauch des Teufels und der Welt. Dieses aber, spricht er,wird geschehen, wenn die Kinder Gottes offenbaret werden. Jetztauf Erden sind sie wohl schon Gottes Kinder; aber sie sind nochnicht in ihrer rechten Herrlichkeit, gleichwie die Sonne auch nochnicht in ihrer rechten Herrlichkeit ist, darum, daß sie der Eitelkeitist unterworfen; aber sie will des Endes erharren, welches ihrvorgestellet ist, da ihr Dienst einmal soll aufhören. Darauf war-tet sie samt der gantzen Creatur und allen Heiligen mit eitelSeufzen, und bleibt unterdes unterworfen der Eitelkeit, das ist,