Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
15
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I). M. Luthers Auslegung des Vater UnserS ?c. 15

und innwendiges Rühmen, Prachten und Preisen ist ihr größter, ge-fährlichster Schade. Und daß man sie erkenne» möge, und ein jegli-ches vor solchem Unfall sich bewahren, wollen wir weiter davon reden.

Welches die schädlichsten und ärgestcn Men-schen sind in der Christenheit.

Zum ersten führen sie das Wörtlein allzeit in ihrem Munde,und rühmen sich davon, und sprechen- Ach! ich habe so eine guleMeynung, ich meyne es so hertzlich gut, der und dieser will mirnicht folgen, ich wollte ihm das Hertz im Leibe mittheilen. O,hüte dich vor denen Wölfen, die in solchen Schafskleidern wan-deln. Es sind Rosendörner, aber keine Feigen wachsen da, son-dern eitel Stacheln. Darum, als Christus sagt, Matth. 7, 15. w.:Aus ihren Früchten kennet sie. Welche sind aber die Früchte?Stacheln, Spitzen, Kratzen, Reisten, Letzen, und kein gutWort oder Werck. Wie geschieht das? Mercke, wenn diesel-ben nun bei sich beschlossen haben, daß sie fromm sind, gute Mey-nung haben, und ihr Leben befinden, daß sie wehr beten, fastenund andere gute Werke thun, und mehr Verstand und Gnadevon Gott haben, denn andere Leute- so vermögen sie nicht so viel,daß sie sich gegen die messen, die höher und besser sind, sondernhalten sich gegen die, die ärger und geringer scheinen, denn sie, ver-gessen auch bald, daß Gottes Güter sind alles, das sie haben.So muß alsbald auch folgen richten, urtheilen, versprechen, aff-terreden, verachten und sich selbst über jedermann erheben, undfahren also daher in der Hoffarl und verhärten in sich selbst,ohne alle Gottesfurcht, die nichts mehr thun, denn daß sie sich imHertzen und Mund mit fremden Sünden tragen und beschmeisscn.

Siehe, das sind die Früchte der Disteln und Dornen, dassind die Rachen der Wölfe unter den Schafskleidern. Siehe, dasheißt, Gottes Namen und Ehre gestohlen, und ihm selbst zuge-schrieben. Denn Gott gebühret allein zu richten, wie Christussagt, Luc. 6, 37. Matth. 7, 1- Ihr sollt nicht richten, daß ihrnicht gerichtet werdet. Auch Gottes Name allein ist, daß erheilig, fromm, gut sey; wir alle zugleich Sünder vor Gott, ei-ner wie der andere, ohne allen Unterschied. Und so jemand et-was hat vor dem andern, so ist es doch nicht sein, sondern GotleSallein. Derselbe soll auch allein haben von den Seinen den Namen,das Wohlgefallen, das Rühmen, das Richten ic. Und darum, werdesselben brauchet, nicht zum Dienst, sondern zur Verachtung seinesNächsten, derselbe ist ein Dieb der Ehre Gottes, und will das sex»und heissen, das Gott und Gottes, und nicht sein ist.