174
katholische Kirche gestalten. Auch die Staatsgcsetze haben nichtsdagegen, daß die Kinder eines Protestanten in gemischter Ehekatholisch erzogen werden, noch weniger fordert die protestantischeKirche die protestantische Erziehung, sondern laßt dem Protestan-ten völlige Freiheit. Sehen Sie, gerade die katholische Kircheübt Haustyrannci, indem sie keine protestantischen Kinder ge-mischter Ehen im Hause dulden will; die Protestanten behauptengar nicht die Nullität der katholischen Frau; nein, umgekehrt,die katholische Kirche behauptet geradezu die Nullität des prote-stantischen Mannes, indem sie von seinem Rechte, die Kinder inseiner Religion erziehen zu lassen, nichts wissen will; sie leugnetauch den freien Willen der katholischen Frau, indem sie dieser,falls sie in die protestantische Erziehung der Kinder willigt, Ein-segnung, Auöscgnnng, Absolution und Sakramente verweigert.Mit der Hcrbeischlcppung jener alten römischen Form (Muimi-Ulli linnL llünin, Imnc stiiam, <gin mens, NUNL Iiioa 05t,sagt der Vater; und der Pastor antwortet: Unna stomi-nein ex juio Doiussico rnonm o«8e ajo, isigno nnlli omtnsost bc>L sore, und klingelt mit einem Groschen an der Wage)ist es Ihnen wol nnr ein Scherz gewesen. Unter zehn Fallen,wo der protestantische Bräutigam seiner katholischen Braut ver-sprach, er wolle die Kinder katholisch erziehen lassen, ist kaumeiner, wo er als Mann sein gegebenes Wort bricht; unter zehnprotestantischen Pastoren ist noch nicht einer, der ihm, wenn ersein Wort getreulich hält, mit kirchlichen Ccnsuren droht und da-durch zum Wortbruch gegen seine Frau nöthigt; die Männersind dazu viel zu vernünftig und christlich gesinnt. Aber unterzehn Fällen, wo die katholische Braut in die protestantischeErziehung der Kinder gewilligt hat, sind allemal neun, wo diekatholische Unduldsamkeit sie zwingt, ihr gegebenes Wort zu bre-chen und die Kinder katholisch erziehen zu lassen. Jene Pastorc,die die Sache mit jener römischen Formel zu Ende bringen, kön-nen also nur katholische sein, deren heiligstes und theucrsteö Ge-schäft es ist, eine Seele für die alleinseligmachende Kirche auSdem Rachen der Ketzerei zu reißen. Daher sind eö die Protc-