230. An Julius Cnmpr.
Paris, den 31. Oktober 1845.
Mein thcurcr Freund!
Ich habe lange mit Schreiben gezögert, ausdem ganz einfachen Grunde, weil jeder Brief meinearmen Augen entsetzlich angreift, und dann auchweil ich mich schäme, den langst versprochenen „AttaTroll" noch nicht eingeschickt zu haben. Letzteresaber ist nicht meine Schuld, die Unglücksfälle diesesJahres haben so sehr mein Gcmüth vertreibt, dassich bis heute noch auf die heiteren Stunden ver-gebens geharrt, welche durchaus nöthig, damit ichdie heiteren Stücke, die in dem Gedichte fehlen,mit gehöriger Laune schreibe. Ach, theurer Freund,man hat sich schrecklich an mir versündigt, manhat mit unerhörter Schändlichkeit an meinem Ge-nius gefrevelt, ich kann mir die Wunde nicht längerverleugnen, und es werden Jahre hingehen, che deralte Humpr wieder gesund sprudelt. Ein tiefererErnst, ein unklarer Ungestüm hat mich ergriffen,der vielleicht eigenthümlich furchtbare Ausbrüche ge-stattet in Prosa und Versen — aber Das ist dochnicht, was mir ziemt und was ich wollte. Einstsüßestes Leben, jetzt Vcrdüstcrnng und Todeslnst.
Mit dem „Atta Troll" bitte ich Sie dcsshalbnoch eine Weile, etwa 6 Wochen oder 2 Monate,