Druckschrift 
Familien-Chronik der Herren, Freiherren und Grafen von Kielmansegg
Entstehung
Seite
800
Einzelbild herunterladen
 

800

Beilagen.

Am 5. Juli verließ mein Sohn, der auf meinen Wunsch sichper Telegramm aus Wien einen Urlaub und von seinem Bot-schafter Grafen Apponyi einen Kurierpaß erbeten, mit mir, demSekretär Fricke und meiner Kammerjungfer London und trafenwir andern morgens in Paris ein. Schon auf dem Dampfschiffe,vor dem Betreten des französischen Bodens, wollte ein Douaniergewaltsam die Behälter öffnen, welche die Kronen und das Szepterenthielten, und verlangte den Inhalt zu wissen. „Qu’en sais-je“,rief ich, „peut-etre un thermometre!“ Wie freute ich mich, unterdem Schutze eines österreichischen Kuriers zu reisen, der sehrenergisch sich auf sein dienstliches Vorrecht berief.

ln Paris war ich genötigt, einen Tag mich auszuruhen nachder eben durchreisten Nacht, die mir ein Unwohlsein zugezogenhatte. Folgenden Tags ging es weiter, und waren die Ansichtender Reisegesellschaft geteilt; ich glaubte direkt via München reisenzu können; Herr Fricke hielt die Route wegen der strengenVigilanz des Zollvereins für bedenklich. Es ward daher der weiteUmweg über die Schweiz vorgezogen, der uns nötigte, dreiNächte durch zu fahren, um weitere Aufenthalte und Hotels zuvermeiden, ln Landau hatten wir heftige Alterationen mit denZollbeamten zu bestehen und wieder mußte der Kurier energischdreinfahren.

Am 9. Juli, nachmittags 6 Uhr, kamen wir endlich todmüdeund erschöpft von Hitze und Staub in Gmunden an. Auf demBahnhofe war nur ein kleines Fuhrwerk aufzutreiben, in demAlexander und Sekretär Fricke mit dem inhaltsreichen Hand-gepäcke zur Villa Thun (der Sommerresidenz des königlichenHofes) fuhren und dort um weitere Befehle baten. Ich wartetevoll Ungeduld auf dem Bahnhofe, bis endlich ein königlicherWagen erschien, um mich zunächst zum Hotel „Adler“ in dieStadt zu führen, wo ich mich meiner Juwelenlast entledigen undumkleiden konnte. Diese, in eine Reisetasche verpackt, brachteich alsdann noch denselben Abend zur Villa Thun hinauf. Dorttraf ich das hohe königliche Ehepaar allein, konnte meine Schätzeüberliefern und war froh, die Steinmasse vom Herzen zu habenund so überaus gnädig empfangen zu werden.

Auf der Rückfahrt zum Hotel hatte ich das Ungemach, einenschönen Fächer mit den Bildnissen der königlichen Familie ausder Tasche meines Kleides zu verlieren, der mir als Geschenk