VI
schon Jenichen als Eector getlian hatte, die Eintragungen nach dem Datum ordnete, und um jedeWillkür der Rectoren oder ihrer Beamten zu verhindern, ein bestimmtes Schema vorzeichnete.Der Rector Ulrich Junius brachte im S. 1720 diesen Gedanken zur Ausführung. Obwohl die MatrikelB 9 noch reichlich Raum zu neuen Aufzeichnungen bot, beschloß er diesen nicht mehr zu nutzen,sondern legte einen neuen Matrikelband an. Dieser, von neuer Hand mit der Signatur BIObezeichnet, wie die andern im Besitze des Universitätsarchivs, ist eine Papierhandschrift vonerheblicher Stärke. Die Blätter von 40,5 cm. Höhe und 27 cm. Breite sind nicht numerirt.Gebunden ist die Handschrift in Holzdeckel, die mit reich gepreßtem Pergament überzogen, mitMessingecken, in der Mitte des Vorder- und Hinterdeckels mit Messingschmuckstücken, die,wie die Ecken, Engelsköpfe zeigen, und mit ledernen, durch figürlichen Schmuck von Messingverstärkten Schließen versehen sind.
Nach vier leeren Vorsatzblättern folgt das fünfte mit der Aufschrift: „ Matricula AcademiaeLipsiensis secundum temporis ordinem fieri coepta sub rectoratu aestivo Dni. Ulrici Junii P. P.natione Bavari MDCCXX“. Auf dem 6. Blatt beginnen die Eintragungen mit dem S. 1720.
Jedes Semester trägt eine Ueberschrift in bestimmter Form, z. B. „ Rectore Aestivo Dn.Ulrico Junio P. P. Bavaro Anno Christi 1720 “ oder „Rectore Hiberno Dn. D. Joh. Schmidio P. P.Polono“. Damit der Nachschlagende sich leicht zurecht finde, enthält die erste Linie jeder Seitedie Angabe des Semesters und des Rectorats.
An Stelle zweier Columnen ist eine einzige getreten, und die Verschiedenheit der Formder Eintragungen hat einem Schema Platz gemacht, für das die Linien mit Tinte gezogen sind,Der wichtigste Fortschritt ist aber damit getlian worden, daß, ohne Rücksicht auf die Eintheilungnach Nationen, die Immatrikulirten nach der Zeitfolge ihrer Aufnahme eingetragen werden. AlleNeuaufgenommenen werden dabei in zwei Gruppen getlieilt, in die Inscripti und die Depositi nonduminscripti. Zweierlei ist damit zum Ausdrucke gebracht. Einmal, daß nicht mehr die Leistung desGehorsamsversprechen die Hauptsache ist, sondern die Eintragung in die Matrikel, die „Inscriptio“,und daß zweitens die Depositi nicht im eigentlichen Sinne des Wortes Inscripti, also auch durchdie Deposition nicht Mitglieder der Universität geworden sind. Demgemäß ist auch das Schemafür die beiden Gruppen verschieden.
Trotz der Abweichungen im Einzelnen, sind die Eintragungen, verglichen mit denender früheren Matrikeln, überaus einförmig geworden. Nur zweimal wird diese Gleichförmigkeitunterbrochen. Im S. 1743 bringt der Rector Friedrich Menz zum 2. August einen längeren Berichtüber eine 50 Jahre nach der ersten Inscription vorgenommene Ehrenimmatrikulation des GrafenErnst Christoph von Manteuffel. Sie lautet: „ Beneficio summi Numinis quinquagesimus annusexactus est, ex quo civitatem Academicam adeptus sapientiae et litterarum studia his ipsis tabulisnomine inscripto coepi. Quorum studiorum constanter et impense amantissimus post varios casusvariosque labores superatos primarios honores gradatim impetratos feliciter gestos ac sponte tandempositos optimorum Principum Augustorum II di et III U ad hunc usque diem perennante f ruens muni-ficentia in hoc sacrum Musis nemus mente et corpore vegetus valensque me recepi, in eo, ut ineuntisadolescentiae annos quatuor transegi, ita quantum super est aetatis, fortunante Deo acturus. Iluiusprosperitatis adeo infrequentis exemplum et memoria ut constaret, huic libro nomen meum denuo inseruiac subscripsi, quinquaginta stipendiorum his bonarum artium et saqnentiae castris veteranus. Hier-nach folgt die Einzeichnung des Jubilars, die einzige eigenhändige des ganzen Bandes:
„P. Aug. 2. Ernestus Christophorus 8. R. I. Comes de Manteuffel Natali meo 68. Pomeran.Lipsiael693“. Danach heißt es weiter: „Novi et illustris exempli ut perpetua esset memoria, solenni ritu,lauto apparatu Illustrissimus atijue Excellentissimus Comes Iubilaeum Academicum celebravit, quodPotcntissimus, Clementissimus Augustus, ut illustrius redderet, Ablegatum misit, qui Eius nomineadsideret, litteris Regiae benevolentiae insignis, in Novum Civem et ipsam Academiam Incidentis