Seitdem im Jahre 1921 „durch die weitsichtige PTitschließung" desKölner Oberhirten das Historische Archiv der Erzdiözese Köln ins Lebengerufen wurde, ist u. A ein als Quellenwerk wertvoller Bestandteil desselbeneigentlich erst fiir die Oeffentlichkeit entdeckt worden. Es sind das sechzehnBände, in denen die Amtshandlungen der lebten zehn Weihbischöfe deralten Kölner Erzdiözese vom Jahre 1661 bis 1610 aufgezeiehnei sind. (1)Diese Bände kommen naturgemäß und in erster Linie als Quelle für diekirchliche Geschichte, vor allem fiir die kirchliche Lokalgeschichte in Präge.Aber damit ist ihre Bedeutung nicht erschöpft. Von nicht zu unierschäbendemWert sind sie auch für die P'amiliengeschichte; denn sie bieten in denPersonalangaben, die sie über die zu den Weihen zugelassenen Personenenthalten in vielen Fällen, nämlich da, wo die betreffenden Kirchenbüchernicht mehr vorhanden sind, die einzige Quelle fiir die Erforschung mancherFamilienzusammenhänge; in vielen weiteren Fällen werden sie manchemFamilienforscher. der in seinen Bemühungen die Herkunft seiner Ahnenfestzustellen, auf dem berüchtigten „toten Punkt", angelangi ist, neueFingerzeige gelicri können. Da, wo die Ordinanden zum ersten Male inden Protokollen erscheinen nämlich beim Empfang der Tonsur sind ihrePersonalien ausfiihihch angegeben. Der Herkunftsort, der Tag der Geburt,resp. des Empfanges der hl. Taufe und die Namen der Eltern sind da fiirden Familienforscher wertvoll. In den ersten Jahrzehnten der Protokoll-führung bis gegen die Wende des Jahrhunderts fehlen leider, abgesehenvon wenigen Jahren, diese Angaben zumeist. Um so ausführlicher werdensie von da ab.
Vor mehreren Jahren begann der Verfasser mit einer Bearbeitungder Protokolle unter dem Gesichtspunkte der vollständigen Erfassungsämtlicher in denselben vorkommender Mitglieder des Weltklerus (2.) Esergab sich dabei die Tatsache, das ein sehr großer Teil der Personen,von denen der Empfang der Tonsur und der vier niederen Weihen ver-zeichnet ist, später nicht zum Empfange der höheren Weihen resp. derPriesterweihe gelangt ist, vielmehr wieder aus dem Klerikalsiande ausschiedund zum großen Teil auch Familien gründete. Zum Verständnis dessensei hier folg, bemerkt: Man unterscheidet in der katholischen Kirche
verschiedene Stufen oder Grade der Weihe. Der liebertritt aus dem
M ln Quellen und Hinweise zu bisliimsgeschidiflichen Forschungen,Heft 1 herausgegeben von Archivdirektor Dr. Lohmann behandelt Alex Wilmsdie Protokolle ausführlich in einem Autsaß: Ein Einblick in die ProiocoliaSuffraganeatus d. i. der Kölner Weihbischöfe 1661-1610.
L ) In den Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikaner-ordes in Deutschland veröffentlichte Alex Wilms eine ähnliche Arbeit ausden Protokollen mit dem Titel: Die Dominikaner in den Kölner Weihe-proiokollen, Leipzig, Harrassowiß, 1927.