jetzt deutlich, wo durch das Eis die Tommunikation wieder eröffnet ich Kauze Häuser iu meinerGemeine sind umgetrieben, und man kennt die Statte nicht mehr, wo sie gestanden; denn alle Uka-terialieu hat der Strom Gott weiß wohin geschleudert, blanche Ulenschcn in niedrigen Häusernsind aus die Spitzen der Dächer geklettert und sind dort vor Kälte und Hunger umgekommen.Gestern wurden ihrer drei aus vierbanmerheide seiner Huudschaft meiner Gemeines iu Baerl be-graben, weil mau von vierbanmerheide noch nicht geraden Weges nach Dudberg kommen kann,— Sich war gestern über das Eis nach Baerl gegangen, wohin sich viele meiner auswärtigenGemeiudeglieder geflüchtet hatten, weil Baerl sehr hoch liegt. Sobald die Unglücklichen hörten,daß ich da sei, kamen sie scharenweise zu mir gelaufen. Sie wollten mit mir, ich mit ihnenreden; aber ein lautes Weinen ließ uns lange nicht zu Worte kommen. Endlich klagten sie mirdann, wie sie Haus und Hos verlassen hätten, um ihr Leben zu retten; wie sie ihr Vieh vor ihrenBugen hätten müssen sterben sehen, und wie sie nun in Gottes weiter Welt keinen Rat wüßten,wie sie wieder zu einein Stück Vieh kommen sollten u. s. w. Was wollte, was konnte ich denarmen Bedrängten zu ihrem Tröste sagen? daß ich nach meinen Kräften tun werde, was ich kann;daß ich gerne manche Bequemlichkeit, die ich jetzt genieße, entbehren werde, um die Bot zu lindern,und mich noch mehr einschränken werde, um eine Träne weniger fließen zu sehen, das wissenmeine Leute, Gottlob, ohne mein versprechen. Bber, wie wenig ist damit geholfen, wie viel istnötig, wie wenig kann ich geben! Doch Gott wird wohl Rat schaffen, wo ich keinen weiß. Esmuß doch endlich auch dieses Leiden zu seiner Verherrlichung dienen.
Wenn wir doch nur einmal sagen könnten, unser Leiden und unsere Ringst ist überstanden!aber wir sehen noch in eine düstere Zukunft. Wir hofften, das Rheineis würde mit der Über-schwemmung weggehen; aber noch steht der Rhein und so gefährlich, als sollte unser ganzes Landin Grund und Boden verwüstet werden. Die Eisschollen sind wie hohe Hänser aufgetürmt undmanche derselben so dick, daß eine einzige ein ganzes Dorf umstürzen könnte.
Wenn der neue Sturm also wieder einmal losgeht, Gott im Himmel weiß, wie es unsdann gehen wird. Geht er aber auch glücklich weiter, dann erwarten wir noch lange den Zeit-punkt, wo unsere Felder wieder abgetrocknet sein werden. Wahrscheinlich sehen wir dann, daßunsere schöne Winterfrucht von der Flut weggeschwemmt und unsere gesegneten Vcker übersandetund übergrindet sind. Zm Sahr s78^ sind hier auf diese Weise s0V0 Ukorgen ganz unfruchtbargeworden; wo man ehemals die schönsten Weizensaaten sah, da wächst seit der Zeit nicht einmalein Dorn oder eine Distel. Da nun die gegenwärtige Wasserflut die von bei weitem über-
steigt und eine noch größere binnen kurzem zu erwarten steht, wie viele Ursache haben wir da,alles, alles zu fürchten. - So eben höre ich, daß man hier in der Gegend allerlei Sachenvon Wert findet, die ans dem Eise hervorragen und uns den elenden Trost geben, daß das Schicksalunserer Brüder oben am Rhein noch trauriger ist als das unsere. Eine Stunde von hier liegt eingroßes kostbares Dach von Schiefern, das entweder ans einer Kirche oder einem Schlosse gestandenhaben muß. VIlenthalben gehen Leute mit Brten und Karsten hinaus, a n Tische, Stühle, Betten,Kisten, Schränke und andere Gerätschaften ans dem Eise zu hacken, vielleicht ist man jetzt inHolland geschäftig, die Häuser und Gerätschaften auszufischen, die der Strom hier fortgerissen hat.
Vm iq. Febr.
Zch finde wieder ein ruhiges Stündchen, das ich dir, geliebte Freundin widmen kann.Denk dir, daß meine Haushaltung jetzt s6 Ucenschen umfaßt, wovon elf in der Wassersnot sichzu nur hergeflüchtet haben, und daß wir enge beisammen wohnen, weil maus sonst in der Kältenicht anshält. — —