aneignen konnte; denn die Lehrjahre in Carmen hatten in dieser Einsicht fiir die Längeder Zeit keine nennenswerte Ausbeute gebracht. Das lag an den hergebrachten Ver-hältnissen, die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte zu verwenden.
Aach Ablans eines Zahres hätte ich gerne eine praktische Tätigkeit im Anschlußan das Gelernte ausgenommen. Ts wollte sich nichts finden, nnd so folgte ich derEinladuna meines Schwagers Stenger nach London. Anch dort bot sich keine Gelegen-beit in der Tertilbranche. Aliißig gehen wollte ich unter keinen Umständen nnd warfroh, als sich nach langem Tuchen eine ganz gut bezahlte Stellung in einem kleinenGandlnngshause für Rohprodukte fand. Hier hatte ich ausgezeichnete Gelegenheit,meine Kenntnisse im französischen und Englischen zu vervollkommnen. Die Großstadtbot willkommene Anregung ans allen Gebieten; nnd unbekümmert um das, wasweiter werden sollte, brachte ich 2V- Jahre schönen jngendsrohen Sehens, Lernens nndGenießens dort zu.
Zm Gerbst s879 folgte ich einem Ans nach Belgien. Die Looistsclö Kokk, ein bedeutendes Tertil-Etablissement der lvollbranche bei Brüssel, bot nureine Stellung zur Leitung der Iveberei an, nnd da ich dadurch die hocherwünschteGelegenheit erhielt, ineine praktischen Kenntnisse zu verwerten, so griff ich ohne Schwankenzu, obgleich mir jetzt anch mein Schwager Steiuger eine Stelle in seinem Geschäftanbot, die ich, wie sich später herausstellte, besser getan hätte, anzunehmen. Dieneue Tätigkeit entsprach ganz meinen Erwartungen und Neigungen. Ich lernte einegroße Iveberei führen und die Kunst, Arbeiter und Kleister richtig zu behandeln. DerDirektor Schäfer, ein Deutscher, schätzte mich. Er war ein Alaun von rücksichtsloserEnergie, besaß großes Organisationstalent und brachte das Etablissement mit Gülseseiner meist deutschen Angestellten zur Blüte. Ungefähr As Jahre blieb ich dort,lernte Land und Leute kennen, und hatte die große freude, viel mit meinem Gerzens-sreunde Gtto Bohl zusammen zu sein. Schäfer trug sich mit dem Gedanken, inDeutschland sin eigenes fabrikunternehmen zu gründen und bot mir die Partnerschaftdazu an. Ich hatte unbegrenztes vertrauen zu seinen fähigkeiten, wie ich michüberhaupt für alles, was mir imponierte, aus welchem Gebiet es auch immer seinmochte, leicht etwas kritiklos begeisterte. Es ist mein Verhängnis geworden! Schäferwar mir persönlich trotzdem nicht sympathisch. Aber ich wußte nicht, wohin mitmir in der Ivelt — hier bot sich unerwartet eins Perspektive, die Alitarbeit eines immer-hin erfolgreichen, befähigten Alannes — es konnte etwas Großes daraus werden!Das muß es gewesen sein, das Schaffen in großen Verhältnissen (UoUr beschäftigte übersOM Arbeiter, besaß eigene Spinnerei, Iveberei, färbersi und Appretur), das Ivirt-schasten aus dem vollen, was Schäfer das richtige Augenmaß für unser kleines Unter-nehmen hatte verlieren lassen. Er sah das Ziel, ein zweites KotK, und übersah die
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