Die Leiden von Blieskastel, Münchweiler usw.
309
dieser Familie ist sehr betrübend." Von der italienischen Reise standPhilipp ab, wie Frau von Dalberg berichtet t Als das Unheil am18. November über Blieskastel hereinbrach, flüchteten viele Beamte;Philipp Hütte ihnen gern ihr Gehalt sofort auszahlen lassen und ihnenfreie Wohnung in Herrschaftshäusern gewährt, er wünschte auch, dieRegierung sollte an einem Orte vereinigt sein, doch ließ sich dies allesnicht ausführen 2; die Einnahmen des Grafenhauses schmolzen zu-sammen, aus den Forsten ging 1793 gar nichts ein, und jetzt kamdie Dienerschaft aus Blieskastel nach Frankfurt, um erhalten zu werden!Als das herrliche Schloß zu Blieskastel im November 1793 auf denAbbruch versteigert wurde, erstand es der Jude Jeremias Hirsch, Bau-unternehmer aus Saarbrücken, für 300 Gulden; er gestattete den Ein-wohnern von Blieskastel und Mimbach gegen Pacht, daselbst Steinezu brechen; 1802 riß Hirsch, was er brauchen konnte, heraus, und sodiente die Ruine bis 1820 als Steinbruch, um dann eingeebnet zuwerden; jetzt sind nur noch wenig Trümmer von Treppen und Kellernda 2. Aller Gottesdienst hörte in Blieskastel auf, die Kinder wurdenzumeist nicht getauft, die Bürger verrichteten selbst die Begräbnisse.Ende 1793 geriet das Amt Münchweiler wieder unter die „fränkische"Fuchtel, manches Dorf mußte dreimal im Tage Heu und Hafer her-geben, beständig waren schwere Geldopfer nötig, der Feind wollte„nichts übrig lassen als Menschen und Erde", Händler kauften demBauer sein letztes Vieh für einen Spottpreis ab, weil es ihm sonstgeraubt wurde; niemand wagte mehr Geld zu zeigen, die äußersteUnsicherheit herrschtet Es war zwecklos, sich durch Zahlung los-kaufen zu wollen; die Franzosen nahmen den Leuten das Loskaufgelduud raubten sie dann erst recht aus. In ergreifenden Briefen jammertenSehbert, Cordier und andere Räte Philipps um den Verlust ihresEigentums und um ihr ruheloses Irren in der Fremde t
^ An ihren Sohn, 13. Dezember 1793. (O. H.H.)
^ Hof- und Kanzleirat G. I. Seybert, Or. zur. ntr., an RegierungsassessorPeter I. Cordier in Saffig, Mannheim, 29. November (O.), Cordier an Seybert,Koblenz, 4. und 20. Dezember 1793. (Kt. Zentralverwaltung. Nr. S462. H.W.)
^ Die Bandenkmale in der Pfalz. Bd. 3, s. o. Auch die Trümmer von Bonne-fontaine wurden versteigert. Ein Landmann erwarb La Bagatelle für 400 Frank.^ Pouve, f. o., an Philipp, Münchweiler, 4. Februar 1794. (O. H.W.)6 Zentralverwaltung. Nr. S462, e.