Marianne in Gefahr.
chingen „in Nationalverwaltung". Mariannens Schwägerin ^ schrieb -am 13. Mai 1793 ihrem in Göttingen studierenden Sohn EmmerichJosefs „Die Gesundheit von Frau von der Leyen hat bereits durchihre verdrießliche Lage gelitten. Der Mut ihres Unternehmens, in-mitten der Gesahr zu bleiben, ist an sich der Bewunderung wert, ihreAusdauer aber sichert ihr die ewige Dankbarkeit ihres Sohns; siesetzt, um seine Interessen zu retten, ihre Person aufs Spiel und glaubtsich für sechs Monate Angst belohnt, wenn es ihr geglückt sein wird.Ich glaube immer, man wird sie schließlich wie die drei Grafen vonGrundstad ^ fortschleppen^; diese Leute wollen Geiseln, sie werdendaraus Nutzen zu ziehen wissen. Man sagt, die Gegenrevolutiongreife im Innern von Frankreich um sich; dies allein kann uns retten.Gott gebe, daß die ehrlichen Leute an die Oberhand kommen unddaß die Herrschaft der Lumpen ende! Täglich ergreift man solche.Welche die Apostel und Klubisten spielten, großenteils sind sie mit einerAnzahl Eurer Professoren und der deutschen Gelehrten affiliiert. DieseKlasse Menschen verbreitet die Revolutionen durch alle Lande, derEnthusiasmus hat zu viel gewonnen, indem man über die Bewunde-rung ihres Geistes den gar zu schlechten Gebrauch aus dem Augeverlor, den sie oft davon machen; oft leitet sie auch der Stolz, wennsie nicht das gemeine Interesse, Geld anzuhäufen, verführt."
Seit 1. Februar 1793 (f. S. 302) schlief Marianne, ohne daß ihreDienerschaft es wußte, in einem an ihr Schlafzimmer angrenzendenKämmercheu, wo sie Magdkleider zur Flucht bereit hielt. Trotzdem HerzogKarl II. von Zweibrücken wie Leyen neutral blieb, demolierten die Fran-zosen unter Landremont sein prachtvolles Schloß Karlsberg und haustenfurchtbar in Zweibrücken. In Blieskastel setzten sie ihre Schanz-arbeiten und Kontributionen fort, die Untertanen mußten alles herbei-schleppen und jedermann mußte die Trikolore tragen, die er aber imSchlosse in die Hosentasche schob. Wer fliehen konnte, entfloh überden Rhein, Leute mit Grund und Boden konnten es nicht. Die
^ Elisabeth Augnstc, Freifrau von Dalberg, geb. Frciin von Ullner, WolfgangHeriberts Gemahlin.
' O Briefe von Dalbergs Mutter. (H.H.)
' Der spätere Staatsminister und 1810 französische Herzog von Talberg.^ Grafen zu Leiningen in Grünstqdt.
* Die Befürchtung fand Erfüllung, lange bevor der Brief Göttingcn erreichte.